Würzburg

Pressestimmen vom 12.09.2019

Diesmal über die Kirche in Deutschland, den Papstbesuch in Mauritius, Ad-limina-Berichte und Populismus in Südafrika.

Väterlicher Appell an eigensinnige Kinder

Der Londoner „Catholic Herald“ schreibt zur Lage der Kirche in Deutschland:

Synodalität braucht einen lebendigen Sensus Ecclesiae, also einen Sinn für die ganze Kirche – nicht nur die heutige Kirche, sondern für die Kirche, wie sie immer und überall existiert, auf Erden und im Himmel. Der synodale Weg darf, wie der Papst sagte, nicht in seinen „Besonderheiten isoliert“ enden. In seinem Schreiben im Sommer bat er die Kirche in Deutschland auch inständig, Lösungen nicht in Machtstrukturen zu suchen, sondern durch Evangelisierung nach ihnen zu streben. Er warnte vor der „subtilen Versuchung“ zum Pelagianismus, indem wir versuchen, menschliche Strukturen zu manipulieren statt „die Gnade des Herrn, der die Initiative ergreift“, zu empfangen. Im Rückblick ist es schwer, dieses Schreiben nicht als sanften, väterlichen Appell an eigensinnige Kinder zu verstehen. Die Kirche in Deutschland geht heute weit über das Feld hinaus, das die Modernisierer in den 1940er Jahren zu betreten wagten. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass Papst Franziskus ebenso gut vorbereitet ist wie einst der Dominikaner Garrigou-Lagrange, offen zu sprechen, um die Katholiken, die am Rande des Schismas stehen, zurechtzuweisen und Deutschland von seiner pelagischen Suche nach den kurzlebigen Maßstäben des kulturellen Wandels abzuwenden und es zurück zur Wahrheit zu bringen, die Jesus Christus ist.


Bewusstsein schärfen gegen sittlichen Verfall

Die Tageszeitung „Le Mauricien“ (Port Louis) setzt große Hoffnungen in die positiven Auswirkungen des Papstbesuchs in Mauritius:

Der Papst kommt genau zur rechten Zeit nach Mauritius, in einem Augenblick der Unruhen vor den Wahlen. […] Wenn jene, die eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen müssten, die abstoßendsten politischen Mittel einsetzen, dann deshalb, weil wir einen Grad des sittlichen Verfalls erreicht haben, der weit fortgeschritten ist. Der Besuch des Papstes und die Lehren, die er mitbringt, müssen das Bewusstsein schärfen für die Bedeutung des öffentlichen Engagements, des Gemeinwohls, der Ablehnung materieller Gewinne um jeden Preis, für die Bedeutung von Teilen, Gerechtigkeit und einer Gesellschaft, die auf Leistung und Verdienst gründet.


Ad-limina-Berichte veröffentlichen

„The Irish Times“ (Dublin) wünscht sich mehr öffentliche Rechenschaft von der Kirche:

Plant die Kirche, ihre alle fünf Jahre verfassten Ad-Limina-Berichte an Rom zu veröffentlichen? Nein, die Kirche gibt immer noch keine öffentliche Rechenschaft. Die Vermeidung öffentlicher Rechenschaftsberichte durch ihre Verantwortlichen hat für die Kirche zu enormen Problemen geführt: Es hat Bischöfe korrumpiert und zu weit verbreiteter Inkompetenz in Kommunikation und Management geführt. Hätten die Verantwortlichen öffentlich Rechenschaft gegeben, wären die Missbrauchsfälle längst aufgedeckt und der Zusammenbruch der Kirche vermieden worden. Dieser Zusammenbruch war nicht allein die Schuld der Bischöfe und Ordensleute. Auch die Laien, einschließlich der Regierung, haben Fehler gemacht. So wie der Staat durch seine Untersuchungen nach Rechenschaft suchte, so sind die Laien verpflichtet, von den Kirchenoberen öffentliche Rechenschaft über die Ressourcen zu fordern, die sie ihrer Kirche zukommen lassen.


Wie Deutschland 1934

In Kapstadt mahnt „The Southern Cross“ die Christen, sich nicht auf Populismus und Hassrhetorik einzulassen:

Natürlich muss man den Populisten die Schuld geben für die Angst und die Vorurteile, die sie mit ihrer spaltenden Rhetorik verbreiten. Aber auch jene, die den von ihnen geschürten Hass bereitwillig aufnehmen sind schuld, denn sie können freie Entscheidungen treffen und haben Zugang zu alternativen Informationsquellen: Beide Freiheiten begann man den Deutschen 1934 zu nehmen. Erschreckend ist, dass viele Christen sich der Hassrhetorik anschließen oder sie zumindest billigen. Es mag viele gute Gründe dafür geben – andere politische Meinungen, das illusorische Versprechen der Stabilität oder die gute alte Vetternwirtschaft –, aber diese sind nicht geeignet, um die Gebote des Evangeliums zurückzuweisen. Das Evangelium gebietet uns, solidarisch zu sein mit den Schwachen, den Armen, den Unterdrückten, den Verfolgten, den Verachteten. Wenn wir das nicht sind – wenn wir nicht auf der Seite des abgetriebenen Kindes, des ertrinkenden Migranten oder der deportierten Mutter stehen –, dann stehen wir nicht auf der Seite Christi. In dieser gefährlichen Zeit brutaler Rhetorik, rassistischer Politik, zunehmender Hassverbrechen und Intoleranz muss die Kirche sich an Papst Franziskus orientieren und prophetisches Zeugnis ablegen. [...] Die Kirche muss sich laut und mutig gegen jedes Unrecht wenden, überall in der Welt [...].

 

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