Pressestimmen vom 07.03.2018

Natürlich stehen wir erst am Anfang einer politischen Phase, aber einige Elemente sind klar: Keine Partei und keine Koalition hat genügend Stimmen, um allein zu regieren. Die Forderungen nach dem Auftrag zur Regierungsbildung von Seiten der Gewinner sind legitim, aber derzeit lässt man die Muskeln spielen und muss sich erst noch mit der Wirklichkeit eines Parlaments messen, in dem es gegenwärtig keine Mehrheit gibt. Die Tatsache, dass das „Movimento Cinque Stelle“ und die „Lega“ die antieuropäische Haltung nicht abgelegt haben, macht die Verhandlungen noch komplizierter. Jetzt ist der Staatspräsident an der Reihe, der wohl keineswegs beabsichtigt, sich in demonstrative Versuche einer Regierungsbildung hineinziehen zu lassen, die nur dazu dienen, die eigene Rolle zu bekräftigen. Das Staatsoberhaupt hat die Aufgabe, die Stabilität Italiens zu gewährleisten, durch einen Exekutivauftrag, der genügend Unterstützung erhält. Das ist ein schmaler und schwieriger, aber der einzig gangbare Weg – zumindest, um jene Maßnahmen und Reformen zu garantieren, die es gestatten, die nächste Runde weniger zersplittert und effizienter zu gestalten. In der Hoffnung, dass Italiens ewige Übergangsphase endlich beendet werden kann.

Die Vorgänge in Syrien machen auch die Deregulierung einer Welt deutlich, in der es keine Großmächte mehr gibt wie man sie zur Zeit des Kalten Krieges verstanden hat. Nichts scheint die Höllenmaschinerie stoppen zu können, in der die lokalen, regionalen und globalen Probleme so sehr miteinander verflochten sind, dass keine Lösung in Sicht ist und der blinden Gewalt und der systematischen Zerstörung freier Lauf gelassen wird. Das bedeutet nicht, dass man die Arme sinken lassen und den Mut verlieren darf. Im Gegenteil: Es ist notwendig, unablässig nach Wegen zu suchen, um eine Deeskalation herbeizuführen. Nur eines ist nicht gestattet: den Blick abzuwenden.

Es ist notwendig, dass die Kirche eine pastorale Antwort auf den Selbstmord und die Umstände, die dazu führen, formuliert. Erstens muss die Kirche sich eingehender mit dem Stigma befassen, mit dem psychische Probleme wie etwa klinische Depression, die zum Selbstmord führt, noch immer behaftet sind. Einige weit verbreitete, aber veraltete Vorurteile, die mit dem Selbstmord verbunden sind – etwa dass ihre Opfer kein christliches Begräbnis bekommen dürfen – müssen ebenfalls korrigiert werden. Zweitens muss die Kirche denen, die unter dem Selbstmord eines Menschen leiden, geistlichen Beistand anbieten. Das bedeutet, dass Priester und andere dazu ausgebildet werden müssen, mit der Trauer und dem Trauma umzugehen, die auf den Selbstmord eines geliebten Menschen folgen. Die Betonung muss auf emotionaler Unterstützung und Heilung liegen, nicht auf Mangel an Sensibilität und eine fragwürdige Bezugnahme auf die Sünde. Das Seelenheil jener, die sich selbst töten, liegt in Gottes Hand; die Kirche muss jedoch den Hinterbliebenen guten pastoralen Beistand geben, und wir alle sind aufgerufen, für die Seelen jener zu beten, die ihrem Leben ein Ende gesetzt haben, und auch für die Hinterbliebenen.

Die gegenwärtige Ideologie scheint zur Quadratur des Kreises gelangt zu sein, indem sie das, was einst nur ein lockerer Lebensstil zu sein schien, zu einer Weltanschauung gemacht hat. Sie kündigte sich an durch die Sexuelle Revolution, die nach sexueller Befreiung verlangt hat. Hinter diesem attraktiven schillernden Leben liegen Berge von Leichen verborgen und das zerbrochene Leben vieler Frauen und Familien: Über zwei Milliarden Babys wurden seit dem Beginn der Legalisierung der Abtreibung im Westen, die vor über 50 Jahren begonnen und sich mit Dominoeffekt verbreitet hat, abgetrieben. Die Euthanasie, bei der wir gerade erst am Anfang stehen, ist die logische Folge dieser Kultur des Todes. Und die Gender-Ideologie ist der Höhepunkt der falschen Utopie, dass die menschliche Natur willkürlich umgeformt werden kann, wobei alle, die anders denken, zum Schweigen gebracht werden. Die Geschwister Scholl haben mehr vor Apathie als vor Angst gewarnt. Auf jeden Fall ist von uns heute ebenso wie von den Geschwistern Scholl damals der Mut, sich dem Zeitgeist zu widersetzen (...) und der Wille zu handeln gefordert.

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