Pressestimmen vom 06.06.2018

Bei der Frage über Änderungen in der eucharistischen Disziplin der katholischen Kirche ging es den Papstkritikern nicht primär darum, nichts zu verändern, sondern vielmehr nichts zu verändern solange die Gründe für die Veränderung nicht theologisch gerechtfertigt, kirchenrechtlich kodifiziert und präzise angewandt werden, so dass der Eucharistieempfang überall und für alle von denselben Prinzipien getragen wird. Kein guter Katholik will, dass die Sakramente durch klerikales Durchwinken und Kopfnicken oder durch die verschiedenen persönlichen Meinungen einzelner Bischöfe oder Kleriker verwaltet werden – und schon gar nicht von Interessensgruppen, die ihre Argumente der säkularen Gesellschaft entnehmen und ihre Entscheidungen durch persönliche Kommentare und private Worte eines Papstes rechtfertigen. Wenn Franziskus dabei ist, einen Kurswechsel vorzunehmen, der die klare Identität der Kirche besser schützt, so wäre er nicht der erste Papst, der das tut. Auch andere haben einen Kurswechsel in ihrem Pontifikat durchgeführt, nachdem sie gelernt hatten, dass scheinbar positive und fortschrittliche Leute, die sie mochten, sich in Fragen, die den Glauben und die Kirche betreffen, nicht als vertrauenswürdig erwiesen. Es ist zu früh für eine Prognose über das gegenwärtige Pontifikat.

Friedrich der Große sagte: „Wer alles verteidigt, verteidigt nichts.“ Als Katholiken sollten wir ernsthaft darüber nachdenken. Halten wir an unseren alten Strukturen und Denkweisen nur deshalb fest, weil wir einmal eine große Institution waren? Wäre es nicht besser, die Kontrolle über zahlreiche Schulen aufzugeben und die Ressourcen in einige wenige Schulen zu investieren? Müssen wir wirklich die Bildung dominieren und der Standardanbieter sein, oder wäre es nicht vielleicht besser, wenn die katholischen Schulen eine lebendige Minderheit in einer pluralistischen Bildungslandschaft wären? Viele Menschen sagen, das Ergebnis des Referendums habe ihnen das Herz gebrochen. Wir brauchen jetzt Heilung und Reflexion. Wer mit „Nein“ gestimmt hat, hat große Anerkennung verdient, weil er für jene eingetreten ist, die nicht für sich selbst sprechen können. Sie sind die Stimme einer Minderheit – aber das darf uns nicht mutlos machen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, dass das „Nein“ im Referendum prozentual mehr Stimmen erhalten hat als irgendeine politische Partei bei den letzten Wahlen.

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz hat daran erinnert, dass der Glaube immer Geschichte und damit Leidenschaften und Ideale hervorgebracht hat, dass er der Moderne eine Seele gegeben hat und in Italien und in vielen anderen Ländern eine freie, auf den Menschenrechten gegründete Gesellschaft entstehen ließ – auch wenn man in jüngerer Zeit die Politik und das öffentliche Wirken lieber anderen überlassen hat. Diese Analyse kann ein Ansporn sein für die Handlungsträger des staatlichen Lebens und auf die Leere hinweisen, die seit einiger Zeit entstanden ist, da die Fähigkeit abhanden gekommen ist, Werte zu erarbeiten, sich von Idealen ergreifen zu lassen, der Politik eine Seele zu geben, junge Menschen anzuspornen, sich als Protagonisten zu betätigen.

Wie wir an die Eucharistie glauben, sagt viel darüber aus, was wir über unsere moderne Welt denken. Wenn wir meinen, dass die Realität kein fester Bestandteil der realen Welt, sondern nur eine Bedeutung ist, die ihr von außen beigemessen wird, dann können wir ein Stück Brot „Jesus“ nennen und Adam und Steve als „verheiratet“ bezeichnen. Wenn der Leib für diese Realität irrelevant ist, dann kann Jesus für uns im Brot „mystisch präsent“ sein wie in der calvinistischen Tradition, und können auch Eltern „mystisch präsent“ sein, weil sie für ein Kind bezahlt haben, indem sie den Samen eines Menschen und die Eierstöcke eines anderen benutzt haben. Und wenn unorthodoxe „katholische“ Theologen uns glauben machen wollen, dass für Katholiken Empfängnisverhütung ebenso in Ordnung ist wie für Nichtkatholiken, dann sollten wir uns fragen, ob das nicht Hand in Hand geht mit der Verwirrung über die Realpräsenz in unserer blutleeren Katechese. Das Fronleichnamsfest hat viel zu sagen über die Welt, in der wir leben.

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