Presse: Eigene Prinzipien verraten

Die spanische linksliberale Tageszeitung „El Pais“ meint zu den Protesten gegen den Papstbesuch:

Die Jugendbewegung vom 15. Mai hat ihre gesamte Glaubwürdigkeit verloren, indem sie die Proteste gegen den Besuch des Papstes unterstützt. Wer hat sie zu Richtern über Gut und Böse gemacht? Wer hat ihnen das Monopol über den öffentlichen Raum zugesprochen? Die Intoleranten der Bewegung vom 15. Mai verraten nicht nur die demokratischen Prinzipien, die sie zu verteidigen vorgeben, sondern sie verfallen in den simplen Manichäismus zu denken, dass es unter den mit der politischen Klasse und wirtschaftlichen Lage Unzufriedenen keine Katholiken gebe.

Die Truppen nach Hause holen

Zur Diskussion um den Rückzug der USA aus Afghanistan und der damit verbundenen Verantwortung meint das „America Magazine“ der US-Jesuiten:

In dem Maße, in dem sich die Vereinigten Staaten zurückziehen, müssen sie ihre Verantwortung für die moralischen Dimensionen akzeptieren, die über die Belastungen hinausgehen, die Amerikaner zu tragen hatten. Sie schließen das Gespenst eines Bürgerkriegs zwischen afghanischen Stämmen ein und die Möglichkeit, dass die Taliban an die Macht zurückkehren. Der Respekt vor den Menschenrechten, zu deren Anwalt wir uns gemacht haben, und die zusätzlichen Straßen und Schulen, die wir bauen wollten, werden nicht erreicht werden – ein abschreckendes Beispiel für den künftigen Aufbau von Nationen. Nach zehn Jahren sind die Kosten für diesen Krieg zu hoch. Die Vereinigten Staaten haben getan, was sie konnten. Es ist Zeit für einen schnellen Rückzug, der alle Truppen bis Weihnachten 2012 wieder nach Hause bringt.

Politischer Wille wird gebraucht

Der „Catholic Herald“ (London) kommentiert die Situation von Ehe und Familie in Großbritannien so:

Wir wissen jetzt, was es für ein Unsinn ist zu leugnen, dass Alleinerziehung unter allen Umständen vermieden werden sollte. Was die Ehe anbetrifft, hat Studie auf Studie bewiesen, dass sie vom Standpunkt des Kindes aus gesehen die beste und stabilste Basis für eine Familie ist. In den Fünfzigern hat jeder gewusst, die Regierungen aller Richtungen eingeschlossen, dass die Ehe das Fundament gesellschaftlicher Stabilität war. Und ein Mann, dessen Frau zuhause blieb, um die Kinder zu erziehen, zahlte überhaupt keine Steuern, bis er nicht die durchschnittliche nationale Verdienstgrenze überschritt. Diese Ausnahme wurde von der unseligen „Befreiung“ der sechziger Jahre weggefegt, unterstützt von den verschiedensten politischen Ideologien, nicht zuletzt dem radikalen Feminismus. Das alles aber war nicht unvermeidlich: es folgte einem absichtlichen politischen Entwurf. Was ein politischer Entwurf aber durchgesetzt hat, kann er auch wieder rückgängig machen. Das aber ist natürlich viel schwieriger und kann nicht über Nacht geschehen. David Cameron, um fair zu bleiben, scheint einiges davon verstanden zu haben. Aber hat er auch den politischen Willen, tatsächlich etwas zu tun? Wir werden sehen.

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24.09.2021, 10 Uhr
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