Presse: Bedrohung für internationale Solidarität

Die jesuitische Wochenzeitung „America Magazine“ kommentiert die Antrittsrede des neuen amerikanischen Präsidenten:

Seine Versprechungen sind ein Echo der isolationistischen „America First“-Rhetorik der 1930er und 1940er Jahre. Sie ist oberflächlich und bestenfalls irreführend. Der politische Prozess, besonders in einem polarisierten Umfeld, ist häufig ein Nullsummenspiel, aus dem einige Leute profitieren und andere nicht. Schlimmstenfalls ist „America First“ eine ernsthafte Bedrohung für die internationale Solidarität, die für dauerhaften Frieden und Gerechtigkeit erforderlich ist. Unsere Brüder und Schwestern leben nicht nur innerhalb der Grenzen unseres Landes, sondern überall.

Für die Regierenden beten

In Madrid blickt „Alfa y Omega“ mit gemischten Gefühlen auf den Amtsantritt von Donald Trump:

Wir müssen die Globalisierung in den Griff bekommen – aber so, dass sie die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Was Trump vorschlägt, ist ein entfesselter Kapitalismus unter dem Gesetz des Stärkeren. Besteht dennoch eine Chance, dass alles sich zum Guten wendet? Hoffentlich. Die Kirche lehrt, für die Regierenden zu beten und sich gleichzeitig für eine gerechtere Welt einzusetzen. Denn der Populismus nährt sich aus den Ungerechtigkeiten des Systems.

Wie neu geboren werden

Die Mailänder Tageszeitung „Avvenire“ schreibt zu den dramatischen Bergungsarbeiten nach dem Lawinenunglück in den Abruzzen:

Wir werden von einer Hoffnung ergriffen, von einem Wunsch nach Leben – unserem eigenen und dem des anderen, nach einem guten Leben. Wir lassen uns mitreißen, kleben schweigend am Bildschirm, fragen uns, warum uns das alles so berührt. Was geht in uns vor? Die Menschen, die Kinder, die aus dem eiskalten, finsteren Krater hervorgeholt werden, erinnern an Menschen, die das Licht der Welt erblicken. Menschen, die begraben schienen, werden neu geboren. Das Neugeborenwerden ist es, was uns gefesselt hält. Tief in unserem Innern regt sich ein Gesetz, das wie eine starke Wurzel mit uns verknüpft ist: Wir müssen hoffen, immer. Die Hoffnung ist der Kampf des Menschen, der Imperativ, der in unserem Inneren geschrieben steht.

Hochgestecktes Ziel

Mit Blick auf die Bischofssynode zu Jugend und Berufung verweist „France Catholique“ auf die kontinentalen Unterschiede:

Die Komplexität des Themas muss wirklich zu einem Unterscheidungsprozess führen, denn das Ziel, „den Wünschen, den Plänen, den Träumen der Jugend Gehör zu schenken“, im Hinblick auf das Leben des Einzelnen und die kollektiven Bestrebungen, scheint sehr hoch gesteckt zu sein. Von einem Kontinent zum anderen gibt es deutliche Unterschiede: bezüglich der Lebensweise, der politischen Situation, wirtschaftlichen Entwicklung und der Zivilisation. Der Fragebogen ist daher nach Kontinenten unterteilt. Europa zeichnet sich vor allem aus durch „den Reichtum seiner christlichen Überlieferung“, durch sein Protestpotenzial und durch die Distanz zwischen den Generationen.

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