Portrait der Woche: Joe Biden

Joe Biden

Er könnte der zweite katholische US-Präsident der Geschichte werden: Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden bewirbt sich offiziell um den Einzug ins Weiße Haus. „Wir befinden uns in einem Kampf um die Seele dieses Landes“, erklärte Biden in einem Youtube-Video. Wenn man Donald Trump acht Jahre im Weißen Haus gewähre, werde dieser den Charakter der USA „für immer und grundlegend“ verändern, warnte der Demokrat. Dabei könne er nicht tatenlos zusehen. Nun, da der langjährige Senator seinen Hut in den Ring geworfen hat, wird das ohnehin schon unübersichtliche Bewerberfeld noch einmal ordentlich durcheinandergeschüttelt. Umfragen sehen Biden bislang als aussichtsreichsten Aspiranten. Er gilt als Vertreter einer moderaten Linie innerhalb der Demokratischen Partei, die zurzeit interne Flügelkämpfe ausficht. Mehrere Stimmen fordern, einen dezidiert linken Kurs zu verfolgen, um sich klar von Trump und den Republikanern abzugrenzen. Biden hingegen betonte, Trump-Wähler zurückgewinnen zu wollen. Entscheidet er den Nominierungsprozess für sich, setzen die Demokraten auf Erfahrung. Seit 1973 mischt Biden im Washingtoner Polit-Zirkus mit. Doch dies kann auch ein Manko sein: Bei der Amtseinführung wäre er bereits 78 Jahre alt.

DAS POLITISCHE URGESTEIN

Dass der Demokrat aus dem Ostküstenstaat Delaware die parteiinternen Vorausscheidungen übersteht, gilt keinesfalls als sicher. Mit jungen Kandidaten wie dem Texaner Beto O'Rourke oder dem Afghanistan-Veteranen Pete Buttigieg befinden sich Bewerber im Rennen, die ein jüngeres, frisches Image der Demokraten verkörpern. Das politische Urgestein Biden entspricht in dieser Hinsicht dem krassen Gegenteil. Biden ist zwar Katholik, jedoch ist es ihm im Laufe seiner Karriere schwergefallen, seine politischen Positionen mit den Lehren der katholischen Kirche in Einklang zu bringen. Beispielsweise beim Lebensschutz: Als er 1973 in den Senat einzog, übte Biden noch Kritik am Gerichtsurteil „Roe vs. Wade“. Heute gilt er als Abtreibungsbefürworter. Auch die Einführung der Homo-„Ehe“ im Jahr 2015 unterstützte er.

Bidens lange politische Karriere war auch immer wieder von Schicksalsschlägen geprägt. Er ist in zweiter Ehe verheiratet, nachdem seine erste Ehefrau 1972 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Auch seine einjährige Tochter starb dabei. 2015 erlag sein Sohn Beau im Alter von 45 Jahren einem Krebsleiden. Sollte Biden tatsächlich Präsident werden, wäre dies sicher die Krönung seiner Laufbahn. Doch die Erfahrung, vor allem die acht Jahre als zweiter Mann hinter Obama, könnten im Duell gegen Trump gleichermaßen Stärke wie Hypothek sein.

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