Honkong/Peking

Porträt der Woche: Xia Baolong

Xia Baolong gilt als Hardliner und einer der engsten Gefolgsleute des chinesischen Machthbers Xi. Nun ist er zum neuen Direktor des Amtes für Hongkong und Macau ernannt worden.
Xia Bolong zum Direktor des Amtes für Hongkong und Macau ernannt
Foto: (kyodo) | Xia Baolong ist in der Vergangenheit dadurch hervorgetreten, dass er mit harter Hand gegen die Christen in der ostchinesischen Provinz Zhejiang vorgegangen ist.

Für Hongkong ist es keine gute Nachricht: Xia Baolong ist zum neuen Direktor des Amtes für Hongkong und Macau durch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. ernannt worden. Der 67-jährige Xia gilt als Hardliner und einer der engsten Gefolgsleute Xis. Sein neues Amt ist in Peking direkt beim Staatsrat angesiedelt, der Zentralregierung unter Vorsitz des Ministerpräsidenten. Es fungiert auch als ständiges Büro der „Zentralen Koordinierungsgruppe für Hongkong und Macao“ der Kommunistischen Partei. Der bisherige Leiter, Zhang Xiaoming, wurde nun abgelöst und zu einem Stellvertreter Xias degradiert.

Mit harter Hand gegen Christen

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Xia Baolong ist in der Vergangenheit dadurch hervorgetreten, dass er mit harter Hand gegen die Christen in der ostchinesischen Provinz Zhejiang vorgegangen ist. In dieser Provinz startete auch Xi Jinping einst seine Karriere als Parteisekretär und Xia gehörte damals schon zur Seilschaft des heutigen Staats- und Parteichefs. Xia hat seine Karriere im kommunistischen Jugendverband begonnen, ist dann Lehrer geworden und hat außerdem Wirtschaftswissenschaften studiert. In Zhejiang, wo sehr viele Christen leben, ist er 2003 stellvertretender Parteisekretär geworden. 2012 ist er zum Gouverneur sowie zum Parteisekretär der Provinz aufgestiegen, dem politisch wichtigsten Posten.

2016 ist Xia dann als Gastgeber des G-20-Gipfels in der in Zhejiang gelegenen Stadt Hangzhou aufgetreten. Er ist Mitglied im Volkskongress, Generalsekretär der „Politischen Konsultativkonferenz“ und war auch schon im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. In der Provinz Zhejiang ist Xia Baolong dafür verantwortlich gewesen, dass in den Jahren von 2014 bis 2016 über 1 500 Kreuze von christlichen Kirchen entfernt worden sind. Der kanadische Journalist und China-Experte Ian Johnson erklärte 2018 in einem Vortrag im katholischen China-Zentrum in St. Augustin, diese Kampagne sei zwar nicht auf andere Provinzen ausgedehnt worden.

Kreuz-Abrisse: Xia handelte wohl mit Xis Zustimmung

Doch es sei ein „beunruhigendes Anzeichen“, dass der für die Kreuz-Abrisse verantwortliche Xia Baolong enger Mitarbeiter und „rechte Hand“ von Xi Jinping in der Provinz war. Johnson: „Dies impliziert, dass Xia nicht eigenverantwortlich handelte, sondern beinahe sicher mit Xis Zustimmung.“
Es wurden Kreuze und Gebäudeteile von evangelischen und katholischen Kirchen, auch von „offiziellen“ Kirchen, abgerissen. Betroffen war besonders die Diözese Wenzhou. Deren damals 88-jähriger Bischof Zhu Weifang sprach 2014 schockiert in einem Hirtenbrief von einer „Kampagne, wie sie nur in der Kulturrevolution“ vorgekommen sei.

 

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