Berlin

Porträt der Woche: Roland Koch

Roland Koch ist wieder da. Gleich nach der Wahl in Thüringen holt er zum Schlag gegen die Kanzlerin aus. Will er eine Hauptrolle im CDU-Machtkampf spielen?
Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch
Foto: Uwe Anspach (dpa) | Wer sich so zurückmeldet wie Roland Koch mit seinem Aufsatz im Cicero, aus dem die "Bild"-Zeitung bereits vorab zitierte, der hat noch etwas vor. Könnte er sogar eine Meuterei anführen?

Roland Koch ist wieder zurück auf der politischen Bühne. Das Stück, das dort gegeben wird: „Meuterei gegen Mutti“. Gleich nach der Thüringen-Wahl hatten die Merkel-Gegner zum großen Schlag gegen die Kanzlerin, aber auch gegen AKK ausgeholt, Mittelstandschef Carsten Linnemann, der JU-Vorsitzende Tilman Kuban, natürlich Friedrich Merz. Und jetzt rechnet auch Roland Koch ab. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit großem medialen Getöse.

Roland Koch hat schon immer polarisiert

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Der Aufsatz, in dem er eine vernichtende Bilanz der Ära Merkel zieht, erscheint zwar erst Anfang November im „Cicero“, aber jetzt schon brachte die „Bild“ die entscheidenden Passagen im Vorabdruck. Wer sich so zurückmeldet, der hat noch etwas vor. Aber was genau? Will Koch eine Hauptrolle in dem Stück spielen, macht er gar Friedrich Merz den Part des bisher bei den Meuterern unangefochtenen Anführers streitig? Bei einem Mann wie Koch kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass er sich einfach nur in den Chor der Kritiker einreiht. Sein Leben ist randvoll mit Politik, seine Kritiker würden sagen: Außer Politik findet man dort auch fast nichts – Koch hat schon immer polarisiert, man liebte ihn, man hasste ihn, dazwischen fast nichts.

Was macht den 61-Jährigen so zur Reizfigur für die Linken? Am meisten wohl der zielgerichtete Weg zur Macht: Koch stammt aus einem politischen Elternhaus – Vater Karl-Heinz war hessischer Finanzminister –, mit 14 in die Junge Union, mit 19 jüngster CDU-Kreisvorsitzender. Und so ging es weiter. Kritiker nennen das angepassten Karrierismus. Anhänger schätzen den Pragmatismus und wollen gerade darin das Konservative im Profil von Koch erkennen. Er ähnelt in vielem Helmut Kohl, mit dem er auch nach dessen Abschied ein gutes Verhältnis pflegte; der Alt-Kanzler hätte sicher lieber ihn als Angela Merkel in Berlin gesehen.

Koch setzt auf den rhetorischen Handkanten-Schlag

Koch steht in gewisser Weise auch für die Union der Kohl-Zeit. Dort bekamen Konservative wie er ihren Freiraum, weil der Kanzler, selbst gar nicht so konservativ, wusste, dass er diese Wähler braucht. Koch stammt aus der hessischen Union Alfred Dreggers. Fragen der Inneren Sicherheit sind für ihn Leib- und-Magen-Themen. Eine Unterschriftenaktion gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft verschaffte ihm den Rückenwind auf seinem Weg in die hessische Staatskanzlei. In Wirtschaftsfragen ist Koch klar marktwirtschaftlich orientiert. Überhaupt Klarheit: Koch setzt auf den rhetorischen Handkanten-Schlag, nicht auf die Raute. In seiner Kritik an Merkel beklagt er denn auch vor allem die fehlenden Debatten im Land wie in der Partei. Man wird sehen, wie lang er jetzt mitreden will.

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