Porträt der Woche: Pierre de Villiers

Manche Franzosen, insbesondere im Lager der katholischen Bourgoisie und Aristokratie, sehen in dem General einen Nachfolger de Gaulles. Von Jürgen Liminski
Pierre de Villiers

Ist Pierre de Villiers l'homme providentiel, der Mann der Vorsehung? Manche Franzosen, insbesondere im Lager der katholischen Bourgoisie und Aristokratie, sehen in dem General einen Nachfolger de Gaulles. Aber so ehrenwert der ehemalige Generalstabschef auch sein mag, es überfrachtet seine Vita, ihn schon jetzt als Heilsbringer aus der politischen Misere zu sehen, in die Präsident Macron das Land gesteuert hat.

Das heißt nicht, dass der jüngere Bruder des Politikers Philippe de Villiers nicht auch eine politische Rolle spielen könnte. Bei den politisch interessierten Gelbwesten genießt er Achtung, aber die meisten Anhänger dieser Bewegung dürften ihn gar nicht kennen. Sie sind mit ihren Alltagssorgen mehr als ausgefüllt, die Bewegung selbst so unstrukturiert, dass nicht zu sehen ist, wer den General auf den Schild heben könnte. Und ob er das überhaupt wollte.

Ist Pierre de Villiers ein neuer de Gaulle? 

An Schneid fehlt es ihm nicht. Das liegt in der Familie. Als Macron kurz nach Amtsantritt mit einem Federstrich das Budget der Armee um 850 Millionen Euro kürzte, ließ der Generalstabschef durchsickern, dass er mit solch einem Budget die Aufgaben „zum Schutz Frankreichs und der Franzosen“ nicht erfüllen könnte. Macron demütigte ihn öffentlich („ich bin der Chef“), de Villiers trat daraufhin zurück – wenige Monate vor der Pensionierung. Die Skepsis in der Armee gegenüber dem präsidialen Oberbefehlshaber ist seither einer zurückgehaltenen Abneigung gewichen, man steht loyal zum Amt. Macron hat die Streichung später zurückgenommen und damit der Kritik de Villiers indirekt recht gegeben. Seinem Ansehen hat es nicht mehr genutzt. Führende Offiziere halten ihn für einen Banker ohne Ahnung vom Leben in der Truppe.

Pierre de Villiers war bei der Truppe außerordentlich beliebt. Der Vater von sechs Kindern (eine Frau), praktizierender Katholik, repräsentierte das Ideal des französischen Offiziers. Ausgebildet in der Offiziersschule Saint Cyr, Stationen mit Felderfahrung im Kosovo und in Afghanistan für die NATO, im Generalstab seit 2010, militärischer Berater des Premierministers Francois Fillon, seit 2014 dann Generalstabschef. Aber seine Beliebtheit ist eher das Ergebnis seiner natürlichen Kameradschaft – „gehorchen aus Freundschaft“ lautet seine Führungsformel – und vielleicht auch seiner fast kindlichen Begeisterung für den Fußball.

Er ist Fan der „Canaris“, der Mannschaft des FC Nantes, und für die Weltmeisterschaft 1998 schaffte er sich extra einen Fernseher für sein Büro an – das dann bei den Spielen stets rappelvoll war. Jetzt ist er in der Reserve, militärisch und politisch.

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