Freiburg i. Breisgau

Porträt der Woche: Peter Neher

Der scheidende Präsident des deutschen Caritas-Verbandes, Prälat Peter Neher, war maßgeblich mitverantwortlich, die Caritas zur säkularen Gesellschaft hin zu öffnen.
Peter Neher
Foto: Rainer Jensen (dpa) | Prälat Peter Neher ist seit 2003 Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Den Ehrentitel Prälat erhielt Neher 2007.

Man kennt den Mann mit Krawatte aus den Talkshows, in denen er für die Vermittlung zwischen säkularer Gesellschaft und den Sozialen Diensten der Kirche eintritt. Prälat Peter Neher ist seit 2003 Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Den Ehrentitel Prälat erhielt Neher 2007. Der amtierende Papst hat den Titel mittlerweile abgeschafft, so dass Neher der letzte Prälat im Amt des Caritaspräsidenten gewesen ist. Peter Neher wurde am 1. Mai 1955 in Pfronten im Allgäu geboren. Er absolvierte zuerst eine Lehre als Bankkaufmann. Danach ein Studium der Theologie und Pädagogik in Eichstätt und erwarb schließlich das Diplom in Theologie in Würzburg. Es folgte 1983 die Weihe zum Priester. In den ersten Jahren war Neher als Seelsorger in der Pfarrei und im Krankenhaus tätig. Es folgte eine Promotion zum Thema Sterbebegleitung durch Laien.

Zweimal wurde Neher wiedergewählt

Lesen Sie auch:

Er wurde Pfarrer in Kempten. Ab 1. Januar 2000 war Neher dann Diözesancaritasdirektor in Augsburg. Drei Jahre später folgte die Wahl zum Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes. Zweimal wurde Neher wiedergewählt. Bei der Wahl im Jahr 2021 will er, wie er nun mitgeteilt hat, nicht erneut antreten. Viele Weichenstellungen fielen in die Amtszeit des bald scheidenden Präsidenten.

Dabei ist dieses Amt kein Amt mit Machtfülle. Obwohl die Caritas der größte Arbeitgeber in Deutschland ist, heißt der oberste Chef der Caritasmitarbeiter nicht Peter Neher. Die Macht liegt in den einzelnen Verbänden. Die Subsidiarität ist in der Caritas verwirklicht. Das Amt des Präsident ist eher politischer Natur. Sein politisches Talent konnte denn Neher auch in dieser Funktion ausleben.

Öffnung zur säkularen Gesellschaft

Sein Programm bestand darin, die Caritas zur säkularen Gesellschaft hin zu öffnen. „Mitarbeitende, die keiner oder einer nichtchristlichen Konfession angehören, können ein Gewinn für eine katholische Einrichtung sein“, sagte er etwa einmal in einem Vortrag in Hofgeismar. Die Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts fällt ebenso in seine Amtszeit, wie die Grundsatzentscheidung der Caritas, auch Mitarbeiter einzustellen, die keiner Kirche oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören.

Ein Blick in die Arbeitshilfe der DBK „Das katholische Profil caritativer Dienste und Einrichtungen in der pluralen Gesellschaft“ oder auch in  die Handreichung „Vielfalt bewegt Menschen“ zeigt, wie sich die Caritas unter Neher von einem katholischen Verband für Nächstenliebe zu einem Sozialkonzern mit katholischen Wurzeln in einer säkularen Gesellschaft entwickelt hat. Peter Neher war ein Impulsgeber für diese Entwicklung.

Poträt der Woche: Peter Neher

Weitere Artikel
Baba Sheikh
Eril

Porträt der Woche: Baba Sheikh Premium Inhalt

Das geistliche Oberhaupt der Jesiden, Baba Sheikh Khurto Hajj Ismail ist am vergangenen Donnerstag in einem Krankenhaus in Erbil, im Alter von 87 Jahren verstorben.
12.10.2020, 19  Uhr
Michaela Koller
Vitali Shkliarov
Minsk

Porträt der Woche: Vitali Shkliarov Premium Inhalt

Der Politikberater Vitali Shkliarov wurde bereits vor der Wahl in Belarus verhaftet. Womöglich wurde er Opfer des Versuchs von Lukaschenko, sich als Kämpfer gegen ausländische Einflussnahme ...
23.08.2020, 19  Uhr
Henning Sassenrath
Themen & Autoren
Peter Winnemöller Portrait der Woche

Kirche