Wien

Porträt der Woche: Heinz-Christian Strache

Drei Wiener FPÖ-Gemeinderäte haben eine neue Partei namens „Die Allianz für Österreich“ (DAÖ) gegründet. Mit Heinz-Christian Strache als Spitzenkadindat wollen sie in die Wiener Gemeinderatswahl ziehen.
Heinz-Christian Strache im Porträt
Foto: dpa | Heinz-Christian Strache begann das Jahr 2019 als Vizekanzler und FPÖ-Chef. Der Ibiza-Skandal kostete ihn Vizekanzleramt und Parteivorsitz.
Lesen Sie auch:

Zwei charismatische Vorsitzende haben die FPÖ zu erstaunlichen Wahlerfolgen geführt, sind tief in die Wählerschichten konkurrierender Parteien eingebrochen, waren beeindruckende Oppositionspolitiker und sind rund um die Regierungsbeteiligungen der FPÖ moralisch wie strategisch gescheitert: Jörg Haider und Heinz-Christian Strache.

Beide beherrschten ihre FPÖ als Oppositionsführer unumschränkt und verehrt wie Gurus, beide versuchten glücklos die Mutation zum Staatsmann, beide stolperten nicht über die Gerissenheit ihrer Gegner, sondern ob der Untiefen der eigenen Persönlichkeit. Beide scheiterten in ihrer politischen Karriere letztlich an sich selbst. Und beide spalteten die FPÖ, um mit einer lächerlichen Neugründung als tragische Figur auf der Polit-Bühne Österreichs zu enden.

Jörg Haiders Wiedergänger

Heinz-Christian Strache begann das Jahr 2019 als Vizekanzler und FPÖ-Chef. Der Ibiza-Skandal kostete ihn Vizekanzleramt und Parteivorsitz. Seine Spesenabrechnungen, Nebeneinkünfte und Postenschacher bescherten der FPÖ zwei Wahlniederlagen. Ruhe und Rückzug wären das Mindeste gewesen, was die FPÖ von „H. C.“ erwartet hätte. Doch der hielt es wie einst Jörg Haider: Er versprach beides – und konnte dann doch nicht leben ohne Zwischenrufe und Kokettieren mit der Medienaufmerksamkeit. Der hochintelligente, charakterlich instabile Jurist Haider und der intellektuell eher schlichte Zahntechniker Strache mit seinem demagogischen Instinkt: Sie verpassten den rechten Moment, die politische Bühne zu verlassen. Politik muss eine starke Droge sein. Haider war bereit, die Partei, die er selbst groß gemacht hatte, in die Luft zu sprengen, um mit einer Neugründung namens BZÖ einen zweiten Anlauf zu nehmen. Strache wurde vor wenigen Tagen aus der FPÖ ausgeschlossen und gefällt sich nun darin, die Medien Österreichs mit Spekulationen über sein politisches Comeback zu füttern.

Als Spitzenkandidat in die Wiener Gemeinderatswahl

Gerne auch auf Kosten „seiner“ FPÖ. Dazu nämlich haben drei Wiener FPÖ-Gemeinderäte eine neue Partei namens „Die Allianz für Österreich“ (DAÖ) gegründet: um mit Strache als Spitzenkandidat in die Wiener Gemeinderatswahl zu ziehen. Rational ist das nicht zu begründen, denn der einstige Vizekanzler, der seine FPÖ auf 26 Prozent führte, kann es kaum als Comeback verbuchen, mit fünf oder sechs Prozent in den Wiener Gemeinderat einzuziehen. Psychologisch ist es aber zu erklären: Einst hat er die ihm untertänige Partei groß gemacht, nun kann er der undankbaren Partei beweisen, wie sehr er ihr noch immer schaden kann. Auch darin ist Strache ganz der Wiedergänger Haiders.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Stephan Baier Bündnis Zukunft Österreich FPÖ-Parteivorsitzende Freiheitliche Partei Österreichs Heinz-Christian Strache Jörg Haider Nebeneinkünfte Oppositionsführer Oppositionspolitiker Portrait der Woche

Kirche

Papst in Budapest
Budapest
Umkehr: Die wahre Reform der Kirche Premium Inhalt
In Budapest wurde die Tiefendimension der Kirche sichtbar: Mit Blick auf Christus ist sie jung, dynamisch, fröhlich, ökumenisch, missionarisch und attraktiv. Ein Kommentar.
16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier