Ravensburg

Porträt der Woche: Eugen Abler

Der Katholik sorgte in den letzten Jahren bei den CDU-Bundesparteitagen für den Cato-Effekt. Das Ceterum Censeo des gläubigen Katholiken galt dem Lebensschutz. Nun ist er aus der Partei ausgetreten.
Eugen Abler - Porträt der Woche
Foto: Schwäbische Zeitung/Philipp Richter | Die Kirche spielt im Leben von Eugen Abler eine bedeutende Rolle. Die Bodnegger Pfarrkirche St. Ulrich und Magnus ist seine Heimatkirche.

Es war einmal ein römischer Staatsmann, Cato hieß er, der soll seine Reden im Senat – egal zu welchem Thema – stets mit der gleichen Wendung abgeschlossen haben: „Ceterum censeo Catharginem esse delendam. („Im Übrigen bin ich der Meinung, Karthago muss zerstört werden“) Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen der Republik und Karthago waren das Thema im Rom des 2. Jahrhunderts vor Christus. Cato selbst wurde aber weniger wegen des konkreten Inhalts seiner Intervention, als wegen seine Beharrlichkeit, manche würden vielleicht von Sturheit sprechen, zur politischen Legende.

Der Cato der CDU

Ob Eugen Abler die römische Geschichte studiert hat, ist nicht bekannt. Gleichwohl sorgte der Katholik in den letzten Jahren bei den CDU-Bundesparteitagen für den Cato-Effekt. Das Ceterum Censeo des gläubigen Katholiken galt dem Lebensschutz. Besonders viel Aufmerksamkeit schenkten die Delegierten dem Vertreter aus dem CDU-Kreisverband Ravensburg zwar nie, die Parteispitze oben auf dem Podium zeigte eher demonstrativ Desinteresse, wenn Abler das Rednerpult betrat. Aber Abler ließ sich nicht beeindrucken, kein Parteitag in den letzten Jahren ohne seinen Appell an die Parteifreunde, sich für den Lebensschutz einzusetzen, wenn ihnen das ,C' im Namen denn tatsächlich etwas bedeuten würde.

Die Schuld sieht Abler bei Angela Merkel

Lesen Sie auch:

Doch die Hoffnung, hier durch Beharrlichkeit mehr in seinem Sinne zu erreichen, hat Abler aufgegeben. Er ist nun nach 43 Jahren Mitgliedschaft aus der CDU ausgetreten. Als Gründe führt er in einer Erklärung, die der „Tagespost“ vorliegt, folgende Punkte an: „die Umsetzung der Genderideologie, das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, die Ehe für Alle, der Lebensschutz, die Frühsexualisierung der Kinder und die Einführung eines Dritten Geschlechts“. Seine Bilanz: „Christliche Werte spielen keine Rolle mehr.“ Die Schuld dafür sieht er bei der Parteivorsitzenden: Angela Merkel habe die Partei zu nah am Zeitgeist geführt. Seine Parteifreunde mahnt Abler, ganz in Cato-Manier, zur Umkehr. Ob beim nächsten Parteitag jemand seinen Part übernimmt? In Rom gab es schließlich nach Cato dem Älteren auch noch einen Cato den Jüngeren.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Sebastian Sasse Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Christliche Werte Das Römische Reich Jesus Christus Karthago Katholikinnen und Katholiken Lebensschutz Parteifreunde Parteiführungen Parteitage Parteivorsitzende Portrait der Woche Schwangerschaftsabbruch Senat Staatsmänner

Kirche