Bordeaux

Porträt der Woche: Aristides de Sousa Mendes

Papst Franziskus hat in der Vorwoche anlässlich des "Tages der Gewissensfreiheit" an einen fast vergessenen Helden erinnert, der aus Gewissensgründen ein hartes Los auf sich nahm: Aristides de Souse Mendes.

Aristides de Sousa Mendes
Der Papst entriss den portugiesischen Diplomaten Aristides de Sousa Mendes dem Vergessen: Dieser habe „vor 80 Jahren beschlossen, der Stimme seines Gewissens zu folgen und das Leben tausender Juden und anderer Verfolgter zu retten". Foto: IN

Viele berufen sich auf ihr Gewissen, um einen bequemeren Weg zu gehen. Papst Franziskus hat in der Vorwoche anlässlich des „Tages der Gewissensfreiheit“ an einen fast vergessenen Helden erinnert, der aus Gewissensgründen ein hartes Los auf sich nahm. Der Papst entriss den portugiesischen Diplomaten Aristides de Sousa Mendes dem Vergessen: Dieser habe „vor 80 Jahren beschlossen, der Stimme seines Gewissens zu folgen und das Leben tausender Juden und anderer Verfolgter zu retten“.

Ein Held des Gewissens

Tatsächlich hat De Sousa Mendes als portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux im Jahr 1940 etwa 30 000 Flüchtlingen Visa ausgestellt, darunter rund 10 000 Juden – alle auf der Flucht vor den Nazis, die in Frankreich einmarschiert waren. Der Diplomat folgte dabei seinem Gewissen, nicht aber den Befehlen seiner Regierung. Aus Lissabon kam die strenge Weisung, die Visa-Erteilung an Ausländer strittiger Nationalität, Staatenlose und Juden einzustellen. De Sousa Mendes ignorierte alle Befehle, rettete Zehntausenden das Leben – und wurde daraufhin unehrenhaft aus dem diplomatischen Dienst entlassen.

Der österreichische Kaisersohn Otto von Habsburg, der 1940 in Frankreich eng mit dem Diplomaten zusammenarbeitete, erinnerte sich später an „die schrecklichen Tage von Bordeaux“: „Die französische Verwaltung war weitgehend zusammengebrochen, die Lage an der Front undurchsichtig.“ Tausende bedrängten, auf der Flucht vor Hitlers Schergen, das portugiesische Konsulat in Bordeaux: Ein portugiesisches Visum war das Ticket durch Francos Spanien in die Freiheit. „De Sousa Mendes war ein überzeugter Christ und daher ein Mann mit tiefem menschlichen Gefühl“, schrieb Otto von Habsburg. „Er erteilte allen Flüchtlingen portugiesische Visa, ohne viel nachzufragen. Ich selbst habe De Sousa Mendes ganze Berge von Flüchtlingspässen überreicht, die er, nur auf mein Wort hin, mit einem portugiesischen Sichtvermerk versehen hat... Alle Telegramme aus Lissabon, die ihn an die Weisung erinnerten, endeten im Papierkorb.“

Noch auf der Straße verteilte er Visa

Durch einen Rabbi ließ der Diplomat geflohenen Juden ausrichten, er werde jedem ein Visum erteilen, „ungeachtet der Nationalität, Rasse oder Religion“. Von seiner Regierung zur Heimkehr gezwungen, verteilte er noch auf der Straße Visa und schmuggelte im eigenen Auto jüdische Flüchtlinge über die spanische Grenze. In Portugal angekommen, wurde Aristides de Sousa Mendes in einem Disziplinarverfahren schuldig gesprochen, unehrenhaft entlassen und geächtet. 1954 starb er verarmt. Auf seinem Grabstein steht: „Wer ein Leben rettet, rettet die Welt.“