Berlin

Porträt der Woche: Alena Buyx

Die Ärztin und Medizinethikerin Alena Buyx wird in Zukunft den Deutschen Ethikrat leiten. Für die auch diplomatisch ziemlich versierte Überfliegerin handelt es sich dabei allenfalls um eine Aufwärm- oder Lockerungsübung.
Alena Buyx - Porträt der Woche
Foto: Giles Park (BEIEM)

Mit der Ärztin und Medizinethikerin Alena Buyx hat der Deutsche Ethikrat eine Frau an seine Spitze gewählt, die auf eine Bilderbuchkarriere zurückblicken kann, die ihresgleichen sucht. Geboren 1977 in Osnabrück, legte die Studienstiftlerin des deutschen Volkes binnen acht Jahren zwei komplette Vollstudien nebst Auslandsaufenthalten in York und London hin, promovierte in Medizin, erwarb die Vollapprobation als Ärztin und den Magister in Philosophie, Soziologie und Gesundheitswissenschaften.

Mit nur 35 Jahren habilitiert sie sich

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Nach zwei Jahren als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an ihrer Alma Mater, der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster, und einem Post-Doc-Studium an der Harvard Medicial School fungierte sie drei Jahre als stellvertretende Direktorin des Nuffield Council on Bioethics in London. Mit nur 35 Jahren habilitiert sie sich, wiederum in Münster, und folgte im Jahr darauf einem Ruf an die Christian-Albrechts-Universität Kiel.

2016 wurde sie auf Vorschlag der Bundesregierung für vier Jahre erstmals in den Deutschen Ethikrat berufen. In diesem leitete sie unter anderem jene Arbeitsgruppe, die die Stellungnahme „Eingriffe in die menschliche Keimbahn“ erarbeitete, die das Gremium, das Bundesregierung und Parlament in bioethischen Fragen berät, im vergangenen Jahr vorstellte. Währenddessen folgte die heute 42-Jährige im September 2018 dem Ruf an die Technische Universität München (TUM) auf die W3-Professur für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien.

An der TUM leitet sie zudem das 1972 gegründete Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. Im vergangenen Jahr wurde die verheiratete Mutter von zwei Kindern zudem in den Fachbeirat der Weltgesundheitsorganisation berufen, der weltweite Standards für den Umgang und die Aufsicht mit Eingriffen in menschliche Keimbahn erarbeiten soll.

Eine Überfliegerin, die nach Höherem strebt

Nun repräsentiert Alena Buyx  den Deutschen Ethikrat, der auf Wunsch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als nächstes eine ad-hoc-Stellungnahme zu der umstrittenen Einführung von Immunitätsnachweisen für das Virus SARS-CoV-2 erarbeiten und noch vor der Sommerpause vorlegen will. Für die auch diplomatisch ziemlich versierte Überfliegerin Buyx handelt es sich dabei allenfalls um eine Aufwärm- oder Lockerungsübung.

Und da der Ethikrat bei der Wahl seiner Themen im Prinzip völlig frei ist, ist kaum damit zu rechnen, dass er sich in den kommenden vier Jahren Themen wählt, die geeignet wären, seine neue Vorsitzende, die bislang nicht durch einen überreichen Fundus an unbedingten Überzeugungen aufgefallen ist, aus der Reserve zu locken.

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