Salt Lake City

Pence und Harris offenbaren grundverschiedene Haltung zum Lebensschutz

Er sei pro-life und entschuldige sich nicht dafür, so US-Vizepräsident Mike Pence beim TV-Duell mit der demokratischen Herausforderin Kamala Harris. Diese unterstrich, immer für das Recht der Frau kämpfen zu wollen, über ihren Körper zu entscheiden.

TV-Debatte zwischen Pence und Harris
Auf heikle Fragen antworteten Kamala Harris und Mike Pence beim TV-Duell ausweichend. Weder wies Harris zurück, im Falle eines Wahlsiegs die Zahl der Sitze am Supreme Court zu erhöhen, noch bekräftigte Pence eindeutig, auch eine Wahlniederlage anerkennen zu wollen. Foto: Morry Gash (AP Pool)

Bei der TV-Debatte zwischen den US-Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence und Kamala Harris, die am Mittwochabend in Salt Lake City im Bundesstaat Utah stattfand, sind abermals die grundverschiedenen Positionen von Republikanern und Demokraten zum Thema Lebensschutz offenbar geworden. Der Republikaner Pence betonte, er könne nicht stolzer darauf sein, als Vizepräsident unter einem Präsidenten zu wirken, der für die Unantastbarkeit menschlichen Lebens stehe, ohne sich dafür zu entschuldigen. „Ich bin pro-life. Und ich entschuldige mich nicht dafür“, so Pence wörtlich.

Pence: Setzen uns weiter für Recht auf Leben ein

Wie die von US-Präsident Donald Trump nominierte Kandidatin für den US-Supreme Court, Amy Coney Barrett, zur Abtreibungsfrage urteilen werde, wolle er nicht mutmaßen, „aber wir setzen uns weiterhin entschieden für das Recht auf Leben ein“.

Dagegen betonte die demokratische Herausforderin Harris, sie werde immer für das Recht der Frau kämpfen, eine Entscheidung über ihren eigenen Körper zu treffen. „Es sollte ihre Entscheidung sein, und nicht die von Donald Trump oder Vizepräsident Mike Pence“, so Harris. Das Vorhaben der Republikaner, den vakanten Platz am Supreme Court noch vor der Wahl am 03. November zu besetzen, kritisierte die 55-Jährige: „Lassen wir das amerikanische Volk den Platz im Weißen Haus besetzen, und dann besetzen wir den Platz am US-Supreme Court.“

Da die Demokraten im Senat wohl nicht verhindern können, dass Coney Barrett als neue Höchstrichterin bestätigt und der Oberste Gerichtshof eine noch größere konservative Mehrheit aufweisen wird, kursierte in demokratischen Kreisen die Idee, die Zahl der Richterplätze im Falle eines Wahlsiegs zu erhöhen, um selbst progressive Richter ernennen zu können. Auf die Frage von Pence, ob Harris dieses Vorhaben gemeinsam mit Joe Biden anstrebe, antwortete sie ausweichend. „Die Amerikaner stimmen jetzt gerade ab. Und es sollte ihre Entscheidung sein, wer an dieser äußerst wichtigen Institution auf Lebenszeit dient“, so Harris' Antwort.

Harris: Bürger sollten über Richter entscheiden

Pence dagegen warf Harris und den Demokraten vor, „offen zu befürworten, dem Supreme Court, der schon seit 150 Jahren neun Sitze umfasst, weitere Sitze hinzuzufügen“. Dies sei ein klassisches Beispiel für die Haltung, die Regeln ändern zu wollen, wenn man unter den bestehenden nicht gewinnen könne. 

Doch auch Pence antwortete ausweichend auf heikle Fragen: Als die Moderatorin wissen wollte, was der 61-Jährige unternehmen werde, wenn Trump einen potenziellen Wahlsieg Joe Bidens nicht anerkenne, warf er den Demokraten vor, die letzten dreieinhalb Jahre damit verbracht zu haben, das Ergebnis der Wahlen von 2016 rückgängig zu machen. Zudem sei er überzeugt, „dass wir diese Wahl gewinnen werden.“ Während Biden und Harris zum „Washingtoner Establishment“ gehörten, sei es Trump gelungen, eine Bewegung zu gründen, die Amerikaner aller Gesellschaftsschichten umfasse.

Das Duell zwischen Pence und Harris war das einzige der Vizepräsidentschaftskandidaten vor der Wahl in knapp vier Wochen. In einer Woche sollten eigentlich Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden zur zweiten Fernsehdebatte antreten. Aufgrund der Coronavirus-Infektion des US-Präsidenten steht jedoch derzeit noch nicht fest, ob das Duell wie geplant stattfinden kann.  DT/mlu