Peking

Pekings Schlag gegen die Kirche

In China wurden ein Bischof und zehn Priester der Untergrundkirche verhaftet. Der Fall zeigt: Trotz der Vereinbarungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China wird die Lage für die Katholiken dort nicht besser.

Repressionen gegen Christen in China
Nach Beobachtung von Experten nimmt die Intensität der Verfolgung von Christen in China zu. Dem kommunistischen Regime ist vor allem die romtreue Untergrundkirche ein Dorn im Auge. Foto: via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Die chinesische Verfassung gewährt eigentlich Religionsfreiheit. Die Praxis sieht allerdings anders aus: Nach Beobachtung von Experten nimmt die Intensität der Verfolgung von Christen zu. Dem kommunistischen Regime ist vor allem die romtreue Untergrundkirche ein Dorn im Auge. Immer wieder werden katholische Geistliche - darunter Bischöfe   inhaftiert und verhört, wenn sie sich weigern, die Kommunistische Partei zu unterstützen. Nach Angaben von AsiaNews, offizielle Presseagentur des Päpstlichen Instituts für Auslandsmissionen, wurden jüngst der Bischof von Xinxiang und zehn Priester verhaftet und  in ein Hotel gebracht. Dort würden sie in Einzelhaft gehalten  und  "politischen Sitzungen"  unterzogen. Ein Synonym für Gehirnwäsche. 

Verhaftungswellen gegen Katholiken

Bischof Giuseppe Zhang Weizhu, 63, ist seit 1991 Bischof der Diözese Xinxiang (Henan). Er ist vom Heiligen Stuhl anerkannt, allerdings nicht vom chinesischen Regime. Dies mache ihn zu einem "Verbrecher" wie auch die zehn verhafteten Priester.  Als "Kriminelle" würden sie sich weigern, der Mitgliedschaft in der sogenannten "unabhängigen Kirche" beizutreten und sich der Kommunistischen Partei Chinas zu unterwerfen, berichtete AsiaNews. Bischof Zhang und seine Priester wurden am 20. und 21. Mai in einem großen Polizeieinsatz festgenommen, an dem hundert Polizisten aus Cangzhou, Hejian und Shaheqiao beteiligt waren. Zehn Studenten, die Theologieunterricht in einer Fabrik erhielten, die ein Katholik für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatte, wurden ebenfalls festgenommen. Später wurden drei weitere Studenten, die geflohen waren, verhaftet. Die jungen Leute wurden ihren Familien übergeben und durften das Theologiestudium nicht fortsetzen, hieß es.Seit Einführung der neuen Religionsgesetze am 1. Februar 2018 geht die chinesische Regierung noch stärker gegen die unabhängigen Kirchen vor in dem Bestreben, die "Sinisierung" der Religionen voranzutreiben   ihre Anpassung an die chinesische Kultur.

Dabei sollen Religionsgemeinschaften sich unter  Aufsicht des Staates "der sozialistischen Gesellschaft anpassen" und "religiöse und gesellschaftliche Harmonie" anstreben, wie es in einem "Weißbuch zur Religionsfreiheit" des Regimes von 2018 heißt. Gegenüber der bisherigen Fassung, die 2004 eingeführt worden war, ist die neue Version deutlich umfangreicher, erläutert das päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not". Neue Paragraphen seien hinzugefügt worden, in bereits bestehenden Paragraphen zahlreiche Veränderungen und Ergänzungen eingefügt worden. So werde im Paragraph 4 festgelegt, dass die Religionsgemeinschaften "die sozialistischen Kernwerte" praktizieren müssten. Im Zentrum der Restriktionen des Staates stehen derzeit Verordnungen, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zum religiösen Leben unmöglich machen. 

Hoffnungen auf Entspannung nicht erfüllt

Das China-Zentrum St. Augustin weist in seinem jüngsten Bericht darauf hin, dass im Mai vergangenen Jahres die katholischen Waisenhäuser gezwungen worden sind, alle religiösen Symbole in den Heimen zu entfernen. Religiöse Aktivitäten, wie das Gebet vor dem Essen, seien nicht mehr möglich. Manche Heime seien schon vor zwei Jahren, andere erst kürzlich offiziell geschlossen worden. Den Betreuerinnen eines Waisenheims wurde untersagt, zu ihren in staatliche Heime verteilten langjährigen Schützlingen Kontakt aufzunehmen.

Obwohl der Heilige Stuhl mit der kommunistischen Staatsführung im Jahr 2018 eine "Vorläufige Vereinbarung" über die Weihe von Bischöfen abgeschlossen und 2020 verlängert hatte, haben sich Hoffnungen auf eine allgemeine Verbesserung für die Kirche bislang nicht erfüllt. Es hat praktisch keine Weihen und Installationen von Bischöfen nach dem Abkommen gegeben. 

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