Pedro Sánchez

Der Nachrücker. Von Jürgen Liminski
Pedro Sánchez

Die Vereidigung war schnörkellos, nüchtern. Spaniens neuer Regierungschef Pedro Sánchez Perez-Castejon gelobte der Verfassung und dem König Treue. Die Hand lag auf dem Dekret, 20 Sekunden dauerte der Amtseid, ohne Bibel, ohne Gottesbezug. Der 46-jährige Sozialdemokrat passt zum gottfernen Establishment der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens – PSOE. Deshalb muss er nicht ungerecht sein. Sein politisches Engagement zielt auf die Überbrückung sozialer Gegensätze.

Der hochgewachsene Sánchez erinnert an den legendären Felipe Gonzalez, der die erste Linksregierung des demokratischen Spaniens führte und zu Helmut Kohls Vertrauten in der Brüsseler Runde zählte. Aber anders als Gonzalez gehört Sánchez eher zum linken Flügel der Partei. Und er ist zäh. Der durchtrainierte Sportler hat seine politische Karriere eigentlich immer als Nachrücker erlebt. Das war schon bei seinem ersten Mandat so im Madrider Stadtrat, dann als Abgeordneter und in gewissem Sinn auch jetzt als Nachfolger des glücklosen Mariano Rajoy, der über die Korruptionsskandale seiner eigenen Partei stolperte.

Sánchez will vorerst den Sparhaushalt der Vorgängerregierung fortsetzen. Ihm kommt zugute, dass er sich in Wirtschaftsfragen auskennt. Er war Professor für Volkswirtschaft, bevor er 2012, inmitten der spanischen Wirtschaftskrise, zum Chef der Partei gewählt wurde. Der Partei bescherte er das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte. 2016 zwang ihn die Mehrheit der Delegierten, den Vorsitz niederzulegen. Er eroberte aber die Parteiführung einige Monate später in einer Urwahl zurück. An der Basis ist er beliebt. Für diese Basis will er Kürzungen im Gesundheitswesen zurücknehmen und die Rolle der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen stärken. Die Löhne sollen moderat steigen, um die Kaufkraft der kleinen Leute zu erhöhen. Auch die Banken will er mit einer Sonderabgabe am Sozialsystem beteiligen. Und ihm könnte es gelingen, die Katalonien-Frage zu entschärfen. Anders als Rajoy will er mit den Katalanen reden und so viel Autonomie gewähren, wie auch die Basken haben. Sánchez spricht fließend französisch und englisch. Seine ersten politischen Erfahrungen sammelte er in Brüssel als Assistent einer spanischen Europa-Abgeordneten. Er kennt die Mechanismen der EU und wird vorsichtig zu Werke gehen. Er muss für die baldigen Neuwahlen das freundliche Spanien verkörpern, nicht das konfliktive der Extremisten. Außerdem gilt er als loyal und ist immerhin schon zwölf Jahre mit derselben Frau verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Das können nicht viele Politiker in Brüssel sagen.

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