„Papstreise rückt Afrika in den Mittelpunkt“

Eric Englert, Präsident des Internationalen Hilfswerk missio München, erhofft sich

neues Interesse für die Probleme des schwarzen Kontinents

Was erwarten Sie als Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio von der ersten Afrika-Reise des Papstes?

„Die Menschlichkeit der Welt entscheidet sich am Schicksal Afrikas.“ Diese Aussage von Bundespräsident Horst Köhler hat für mich noch immer uneingeschränkte Gültigkeit. Was der Bundespräsident hierzulande für Afrika tut, erhoffe ich mir vom Heiligen Vater weltweit. Mit der ersten Papstreise nach Afrika rückt der schwarze Kontinent in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Das ist gerade jetzt wichtig, da sich die westliche Welt hauptsächlich mit der eigenen Finanz- und Wirtschaftskrise befasst.

Der Papst reist nach Kamerun und Angola. Wo liegen die Herausforderungen der Ortskirchen in beiden Ländern?

Nach fast 40 Jahren Krieg und Bürgerkrieg ist Angola ein zerstörtes, geschundenes Land. Am wichtigsten ist dort neben dem Wiederaufbau die kirchliche Friedens- und Versöhnungsarbeit. Das Land braucht tatkräftige Seelsorger, die den traumatisierten Menschen Hoffnung geben. Auch in Angola und Kamerun gilt, was für die meisten armen afrikanischen Länder zutrifft: Staatliche Strukturen fallen weitgehend aus, sei es durch die Zerstörung im Bürgerkrieg wie in Angola oder durch massive Korruption wie in Kamerun. Die Kirche ist oft die einzige funktionierende Institution. Sie setzt sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit sowie den Aufbau der Zivilgesellschaft ein. In Kamerun gehört dazu auch der friedliche Dialog der Religionen. Zudem hat die dortige katholische Bischofskonferenz ausgezeichnete Dokumente zur sozialen Gerechtigkeit veröffentlicht. Von der Papstreise erhoffe ich mir, dass innerhalb der katholischen Kirche Kameruns diejenigen Kräfte gestärkt werden, die der Korruption innerhalb der Staatsregierung kritisch gegenüberstehen.

„Von der Papstreise erhoffe ich mir, dass innerhalb der katholischen Kirche Kameruns diejenigen Kräfte gestärkt werden, die der Korruption innerhalb der Staatsregierung kritisch gegenüberstehen“

Was macht missio in dieser schwierigen Situation?

Aufgabe von missio ist, die Ortskirchen in Afrika, Asien und Ozeanien zu unterstützen. Wir tun dies, indem wir zum Beispiel in Angola den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und Gemeindezentren ermöglichen, damit die Menschen sich treffen können. In einer von Gewalt zerstörten Gesellschaft haben Seelsorger die Aufgabe, Gemeinden neu aufzubauen. Lebendige Kirchengemeinden sind Orte, an denen Menschen aus dem Glauben und aus der gegenseitigen Unterstützung heraus Kraft für den Neubeginn schöpfen. Wir unterstützen sie dabei, indem wir Priester, Ordensbrüder und –Schwestern sowie Laien vor Ort schulen, damit sie ihren Dienst für eine positive Entwicklung der afrikanischen Gesellschaft leisten können. Dabei gehört die Ausbildung im interreligiösen Dialog sowie in Friedens- und Versöhnungsarbeit zu den zentralen Anliegen von missio. Erst durch Versöhnung werden die Menschen frei, nicht mehr mit Hass oder Schmerz nach hinten zu schauen, sondern für sich selbst und die folgenden Generationen einen Neuanfang zu wagen.

Welche Projekte unterstützt missio konkret in Angola und Kamerun?

Im Nordosten Kameruns, am Rande der Salzwüste, leistet missio „Geburtshilfe“ für einen Frauenorden. Bischof Antoine Ntalou, der den einheimischen Orden 1991 gegründet hat, entsandte die „Soeurs de Marie Reine des Apôtres de Yagoua“, um den Menschen in dieser überwiegend muslimischen Gegend die Frohe Botschaft zu bringen. Die Schwestern fingen bei Null an und leben in Armut, um die Sorgen und Nöte der Menschen zu teilen. Mittlerweile ist ihre Gemeinschaft auf 20 Mitglieder angewachsen und will einen Kindergarten, eine Schule und ein Krankenhaus bauen. In Angola unterstützt missio unter anderem Niederbronner Schwestern, die sich in der Hauptstadt Luanda und in anderen Orten um kranke Menschen kümmern, um Minenopfer und Straßenkinder. Außerdem engagiert sich missio für ein Schulprojekt der Salesianer, die Jugendlichen aus einem Slum in Luanda Schulbildung und Berufsausbildung ermöglichen. Ein anderes Beispiel ist ein Projekt der Steyler Missionare für Straßenkinder in Luanda. Mit all diesen Projekten will missio traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch Seelsorge und durch Gespräche helfen, ihr Trauma zu überwinden und ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

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