Papst ruft zu Gebet für Erdbebenopfer auf

Inzwischen mehr als 20 000 Tote befürchtet – Deutschland ist mit Peking wegen Hilfe für Burma im Gespräch

Vatikanstadt/Peking (KNA/dpa) Papst Benedikt XVI. hat zum Gebet für die Erdbebenopfer in China aufgerufen. „Im Geiste bin ich den Menschen nahe, die von der verheerenden Katastrophe betroffen sind“, sagte er bei seiner Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz. „Für sie wollen wir von Gott Linderung im Leiden erflehen.“ Benedikt XVI. beklagte die schweren Verluste von Menschenleben, die zahlreichen Vermissten und die „unbezifferbaren Schäden“. Zugleich bat er um Kraft für die Katastrophenhelfer.

Zwei Tage nach dem schlimmsten Erdbeben in China seit drei Jahrzehnten wurden am Mittwoch mehr als 20 000 Tote befürchtet. Die Überlebenschancen für tausende in den Trümmern Verschüttete verschlechterten sich zusehends. Erstmals erreichten Rettungsmannschaften im Osten der Provinz Sichuan mehrere Orte, die von der Außenwelt abgeschnitten waren. Allein in Yingxiu im Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum des Erdbebens gelegen hatte, sollen nur 2 300 von mehr als 10 000 Einwohnern überlebt haben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Die Situation in Yingxiu ist noch schlimmer als erwartet“, sagte ein Funktionär. Von den 2 300 Überlebenden waren rund 1 000 ernsthaft verletzt.

Bei besserem Wetter konnten erstmals Hubschrauber eingesetzt werden, um Hilfsgüter und Verletzte zu transportieren. Den Bergungsmannschaften fehlte schweres Gerät, um die Opfer aus den Trümmern bergen zu können. Viele Straßen in der Bergregion waren zerstört oder durch Felsbrocken unpassierbar.

Das Erdbeben vom Montag war mit einer Stärke von 7,8 das folgenschwerste seit 32 Jahren. 1976 waren bei einem Beben in der nordostchinesischen Stadt Tangshan unweit von Peking 242 000 Menschen ums Leben gekommen. Angesichts der vielen Opfer nach dem neuen Beben soll nun der olympische Fackellauf geändert werden, das Ausmaß der Feiern am Wegesrand und der Aufwand an den Stationen des Laufes künftig bescheidener ausfallen, kündigte das Organisationskomitee in Peking an. An jeder Station sollen Schweigeminuten zum Gedenken an die Opfer eingelegt und unterwegs Spenden gesammelt werden.

China hieß anders als der von einem schweren Zyklon heimgesuchte südostasiatische Nachbar Burma internationale Unterstützung ausdrücklich willkommen. Deutschland hat Hilfe angeboten und dem Deutschen Roten Kreuz in einem ersten Schritt 500 000 Euro zur Verfügung gestellt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Dienstag während seines Russland-Besuchs in Jekaterinburg, die Bundesregierung sei „sehr besorgt angesichts des immer größeren Ausmaßes der Erdbebenkatastrophe“.

Unterdessen ist die Bundesregierung offenbar in Kontakt mit der chinesischen Regierung, um mit ihrer Unterstützung deutsche Hilfsgüter und Helfer auch nach Burma zu bringen. Die „Saarbrücker Zeitung“ berichtete unter Berufung auf den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Walter Kolbow, der sich zurzeit zu politischen Gesprächen in Peking aufhält, dass eine gemeinsame deutsch-chinesische Hilfsaktion geprüft werde. „Ich denke, dass man eine solche gemeinsame Aktion in der nächsten Zeit sehen wird“, sagte Kolbow. Der Vize-Außenminister Chinas habe bei seinen Gesprächen auf eine entsprechende Anregung positiv reagiert, allerdings auch darauf hingewiesen, dass der Einfluss seines Landes auf die Führung in Burma nicht uneingeschränkt sei.

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