Karatschi

Pakistan: 13-Jährige Katholikin entführt und zur Konversion gezwungen

Immer wieder werden minderjährige Christinnen in Pakistan entführt und müssen unter Zwang zum Islam konvertieren. Das Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtet von einem neuen dramatischen Fall.

Minderjährige in Pakistan entführt
In Pakistan werden jedes Jahr hunderte Christinnen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren entführt, zum Islam „bekehrt“ und mit dem Entführer oder einem Dritten verheiratet. Foto: Shahzaib Akber (EPA)

Bittere Realität im islamischen Pakistan: Teils minderjährige Christinnen werden entführt und unter Todesdrohungen gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, auf dem steht, dass sie zum Islam konvertiert sind. Anschließend erfolgt die Zwangsheirat mit einem Muslim.

Von einem neuen Entführungsfall berichtet das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Demnach wurde in der südpakistanischen Stadt Karatschi die 13-jährige Katholikin Arzoo Raja verschleppt, zur Konversion und zur Heirat mit ihrem mutmaßlichen Entführer gezwungen. Laut Angaben von Gesprächspartnern des Hilfswerks in Pakistan hatte ihr Vater das Mädchen am 13. Oktober als vermisst gemeldet. Später sei sie bei dem 44-jährigen Ali Azhar aufgetaucht, der angab, das Mädchen sei konvertiert und er habe sie geheiratet.

Freiwillige Eheschließung von Gericht bestätigt

Die Anwältin des entführten Mädchens, Tabassum Yousaf, hatte den Informationen zufolge am 26. Oktober eine Petition beim „Sindh High Court“ mit Sitz in Karatschi eingereicht. Eine erste Anhörung habe am 28. Oktober stattgefunden.  Nach Angaben des britischen Internetportals „Premier Christian News“ habe der Richter bei der Anhörung die Eheschließung und den Religionswechsel als freiwillige Entscheidung von Arzoo bezeichnet und die Polizei aufgefordert, die „frisch verheiratete Frau“ zu schützen. Weitere gerichtliche Untersuchungen stünden noch aus. 

Wie die Projektdirektorin von „Kirche in Not International“, Regina Lynch, berichtete, übernimmt das Hilfswerk wie an anderen Fällen zuvor die Kosten für die Verteidigung Mädchens. Das Hilfswerk sei sehr besorgt über die Situation in Pakistan. Religiöse Minderheiten würden dort sehr oft aus Mangel an finanziellen Mitteln oder sozialer Unterstützung sich selbst überlassen, sagte Lynch.

In Pakistan werden jedes Jahr hunderte Christinnen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren entführt, zum Islam „bekehrt“ und mit dem Entführer oder einem Dritten verheiratet. Zu diesem Schluss kommt nach Angaben des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ die Studie „Zwangsehen und Zwangsbekehrungen in der christlichen Gemeinschaft Pakistans“ von der islamischen Nichtregierungsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ (MSP). 

Immer dieselbe Vorgehensweise

Der Bericht zeigt eine sich in den verschiedenen Fällen wiederholende Vorgehensweise auf: Wenn die Eltern des christlichen Entführungsopfers Anzeige erstatten, reichen die Verwandten oder Freunde des Entführers in den meisten Fällen eine Gegenanzeige ein, mit der Behauptung, die Christin habe freiwillig geheiratet; sie sei zum Islam übergetreten und ihre Eltern würden sie nun „drangsalieren“. 

Der Bericht stellt fest, dass die Christinnen nach ihrer Entführung „sexueller Gewalt, Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Menschenhandel und Verkauf oder anderen häuslichen Misshandlungen“ ausgesetzt sind, so dass die Frauen (und manchmal Kinder), wenn sie vor Gericht aussagen sollen, aus Angst vor der Bedrohung ihres Lebens und des Lebens ihrer Familie eine Aussage zugunsten ihrer Entführer machen.  DT/chp

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