Nomen est omen

Nun ist klar, wer der Vater der Preissteigerung ist

Von MArkus Reder

Es ist ein merkwürdiger Kampf und so recht will einem nicht einleuchten, warum er stattfindet. Tatsache ist jedenfalls, dass ein Elternpaar in Italien nun schon fast ein Jahr darum kämpft, seine Tochter „Andrea“ nennen zu dürfen. Was für deutschsprachige Ohren völlig normal klingt, ist in Italien ein Problem. Denn wie Simone und Gabriele ist Andrea dort ein Männername. Schon auf dem Einwohnermeldeamt seien die Eltern von der Unzulässigkeit der Namensgebung unterrichtet worden, berichtete gestern „La Repubblica“ Knapp einen Monat später erhielten die jungen Eltern dann einen Brief der Staatsanwaltschaft mit der Aufforderung, „Andrea“ unverzüglich in die italienisch-weibliche Form „Andreina“ zuändern. Paolo und Alessandra protestierten und zogen vor Gericht. Im April lenkten die Richter in Turin ein: Selbst in Italien sei schon länger bekannt, dass Andrea auch als Frauenname existiere, hieß es im Urteil. Doch der stellvertretenden Staatsanwalts der piemontesischen Stadt, Valerio Longhi, blieb hartnäckig und legt Berufung ein. Die endgültige Entscheidung im Streitfall „Andrea“ soll nun am 26. Juni fallen. Doch bevor wir jetzt die Stirn wegen eines italienischen Paares in Falten legen, das seiner Tochter unbedingt einen Männername verpassen möchte, sollten wir einen Moment warten. Denn andernorts kommt es noch dicker. In Saudi-Arabien hat ein Mann seine jüngste Tochter „Ghalaa“ genannt. Das klingt zwar nett, bedeutet übersetzt aber „Preissteigerung“. Mit dem Namen will er gegen den rapiden Anstieg der Lebenshaltungskosten protestieren. Die Behörden hatten keinerlei Einwände gegen den Namenseintragung. Andrea hin oder her – die arme kleine Preissteigerung kann einem wirklich leid tun. Eines aber hat ihr protestierender Papa offensichtlich nicht bedacht. Ab sofort ist es amtlich: Er ist der Vater der Preissteigerung.

Themen & Autoren

Kirche