Nicht mehr katholisch

Neue Antidiskriminierungsrichtlinien sollen ab 1. Januar 2009 katholischen Adoptionsstellen in Großbritannien zwingen, Kinder auch an gleichgeschlechtliche Paare zu vermitteln. Nun könnte man meinen, katholische Stellen wüssten aus solchen Maßnahmen die richtigen Schlüsse zu ziehen, aber so ist es nicht. Am Sonntag berichtete „The Observer“, dass fünf der elf katholischen Adoptionsagenturen in Großbritannien den neuen Regeln folgen, eine werde schließen. Bei den übrigen Stellen stehe die Entscheidung noch aus.

Offensichtlich herrscht bei den adoptionswilligen Betreibern bereits die gleiche ideologische Blindheit, die solche Gesetze überhaupt erst möglich machen. Der katholische Bischof von Lancaster, Patrick O'Donoghue, distanzierte sich denn auch von seiner örtlichen Vermittlungsagentur Catholic Caring Services im nordenglischen Preston, weil sie sich an die neuen Richtlinien halten will. Der Bischof warf der Vermittlungsstelle eine „Kapitulation“ vor dem Staat „ohne einen Versuch des Widerstandes“ vor. In einem Hirtenbrief schrieb O'Donoghue laut „Observer“, die Organisation sei nicht mehr katholisch. Die Regierung füge den Katholiken in Großbritannien „großes Unrecht“ zu, indem sie deren Organisationen zwinge, sich für oder gegen eine Kooperation mit „höchst unmoralischen“ Gesetzen zu entscheiden, so der Bischof.

Der Vorgang in Großbritannien zeigt einmal mehr: Mit Diskriminierung von Homosexuellen hat die Diskussion um ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nicht das Geringste zu tun. Wenn jemand diskriminiert wird, dann jene Kinder, denen im Zuge staatlicher Zwangsmaßnahmen das Aufwachsen unter natürlichen Bedingungen versagt bleibt. Dass über das Kindeswohl nicht mehr gesprochen wird, ist ebenso bezeichnend wie gefährlich. Re

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16.09.2021, 13 Uhr
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