Neue Rakete: Pjöngjang ignoriert G7

Pjöngjang/Seoul (DT/dpa) Nordkorea hat den Aufruf der führenden westlichen Industriestaaten (G7) zum Stopp seines Atomwaffenprogramms ignoriert und mit einem weiteren Raketentest Stärke demonstriert. Nordkorea habe am Montag an der Ostküste mindestens eine ballistische Kurzstreckenrakete abgefeuert, teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mit. Anders als Lenkraketen werden ballistische Raketen nur in der Startphase angetrieben und folgen dann im „Freiflug“ einer „ballistischen“ Bahn wie ein geworfener Gegenstand, der von der Schwerkraft zurück auf die Erde gezogen wird. Wegen ihrer hohen Kosten werden ballistische Raketen für das Militär vor allem als Atomraketen mit Kernsprengkopf konzipiert. Nach Angaben Japans stürzte die Rakete möglicherweise innerhalb seiner exklusiven Wirtschaftszone – einer 200-Meilen-Zone vor der Küste – ins Japanische Meer. Tokio und Seoul warfen der kommunistischen Führung des Nachbarlandes Provokation vor – der Test sei ein erneuter Verstoß gegen UN-Resolutionen gewesen. Bei dem Test wurde laut Südkoreas Militär nahe Wonsan eine Kurzstreckenrakete abgefeuert, vermutlich eine Scud. Sie sei etwa 450 Kilometer weit geflogen. Ein Sprecher des Generalstabs deutete zudem nach Berichten südkoreanischer Medien an, dass Nordkorea bei dem Test nicht nur eine einzige Rakete abgefeuert haben könnte. Die Daten würden noch analysiert. Die Scud ist eine ursprünglich sowjetische Entwicklung auf der Basis einer deutschen A4 aus dem Zweiten Weltkrieg; sie wurde beständig weiterentwickelt. Südkorea und Japan liegen in Reichweite der Kurzstreckenraketen Nordkoreas, die bis zu 1 000 Kilometer fliegen können. Das Land verfügt aber auch über Mittelstreckenraketen und arbeitet an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die die USA treffen könnten. Nach dem Test zweier Mittelstreckenraketen war es bereits der dritte Versuchstart einer ballistischen Rakete Nordkoreas allein in diesem Monat und der neunte in diesem Jahr.

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