Abuja

Nigeria: Hunderte Schüler von Islamisten entführt

Drei Tage nach einem Überfall auf eine Schule im Nordwesten des Landes hat sich die islamistische Terrormiliz Boko Haram zu dem Angriff bekannt. Noch immer sind Hunderte Schüler vermisst.
Teilnehmerin beim 94. Kirchentag der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria
Foto: Imago Images | Immer häufiger lauern im bevölkerungsreichsten Land Afrikas kriminelle Banden auch Priestern auf, um diese zu entführen. Bild vom lutherischen Kirchentag in Nigera.

In Nigeria erregt ein neuer Entführungsfall Aufsehen: Drei Tage nach einem Überfall auf eine Schule im Nordwesten des Landes hat sich die islamistische Terrormiliz Boko Haram zu dem Angriff bekannt. Bei der Attacke am Freitagabend wurden offenbar mehrere Hundert Schüler entführt. Während Behörden von 333 Vermissten sprachen, sollen es laut lokalen Medienberichten vom Montag bis zu 668 sein. Die Angreifer seien auf 150 Motorrädern in die Stadt gekommen, berichtete ein Augenzeuge. Einige der Kidnapper hätten offenbar Zugangswege zur Schule blockiert, um Hilfe von außen zu verhindern. 

Angreifer kommen bewaffnet auf Motorrädern

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Lange war der Hintergrund des Entführungsfalls unklar. Vermutungen,  es könnte sich um Kriminelle gehandelt haben, die Lösegeld erpressen wollten, erwiesen sich als falsch. Der Vorfall erinnerte ohnehin an Überfälle durch die Terrormiliz, zumal das Muster gleich war. Angriffe von bewaffneten Männern auf Motorrädern. Neu ist das „Geschäft Geiselnahme“ in Nigeria nicht. Bereits in den Jahren 2008 und 2009 gab es Entführungswellen im Niger-Delta, der Region mit den größten Ölvorkommen. Betroffen waren ausländische Mitarbeiter großer Mineralölkonzerne. Heute trifft es Menschen aus der Bevölkerung, Christen und Muslime genauso wie Anhänger traditioneller Religionen. 

Immer häufiger lauern im bevölkerungsreichsten Land Afrikas kriminelle Banden auch Priestern auf, um diese zu entführen. Einen Grund für die Entführungen von katholischen Priestern und Seminaristen sieht der Erzbischof der Diözese Abuja, Ignatius Kaigama, auch in der internationalen Aufmerksamkeit, die solche Entführungen mit sich bringen. „Das Kidnapping von katholischen Führungskräften macht weltweit Schlagzeilen. Die Entführer erhoffen sich ein höheres Lösegeld“, erklärte Kaigama gegenüber missio Aachen.

Gefahr durch kriminelle Banden zu Weihnachten

Und im Blick aüf Weihnachten sagte der Erzbischof: „Weihnachten ist das größte Fest in Nigeria, an dem viele Menschen ihre Familien besuchen. Ich befürchte, dass kriminelle Banden die Weihnachtszeit nutzen, um Leute zu überfallen, auszurauben und zu entführen“. Zudem müsse man immer mit Anschlägen auf Gottesdienste rechnen, wie sie in der Vergangenheit oft zu religiösen F religiösen Festtagen durch islamistische Gruppen wie Boko Haram erfolgt seien. 

Der international wohl bekannteste Terrorakt der Islamisten von Boko Haram war der Angriff auf eine Mädchenschule in der abgelegenen Stadt Chibok im Nordosten Nigerias am 14. April 2014. 76 Schülerinnen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren wurden verschleppt. Noch während der Entführung gelang es 57 Mädchen, zu fliehen. Die mehrheitlich christlichen Schülerinnen wurden zu einem Sinnbild für den Terror von Boko Haram.  DT/chp

Weitere Hintergründe erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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