Washington/Paris

Nach den Denkmälern: Auch bekannte Markenlogos sollen verschwinden

Erst wurden berühmte Männer der Geschichte vom Sockel geholt, Denkmäler beschmiert und zerstört – und nun sollen im Anschluss an antirassistische Demonstrationen bekannte Firmenmarken politisch korrekt entsorgt werden.

Nach George Floyds Tod
US-amerikanische Firmen nehmen beliebte Produkte aus dem Verkehr oder verändern deren schon seit Jahrzehnten gängige Markenlogos, da sie im Verdacht stehen rassistisch zu sein. Foto: Rick Bowmer (AP)

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd und den sich anschließenden Demonstrationen nehmen Antirassisten nunmehr bekannte Markenzeichen ins Visier. Das französische Magazin Causeur berichtet, dass US-amerikanische Firmen beliebte Produkte aus dem Verkehr nehmen oder deren schon seit Jahrzehnten gängige Markenlogos verändern wollen. Anlass seien „rassische Stereotypen“, die durch das Logo angeblich verbreitet würden.

Pepsi und Mars kündigen an, Produkte abzusetzen

So hätten Pepsi, Mars und Colgate bereits die Absetzung verschiedener Produkte angekündigt: „Pepsi wird den Namen und das Bild seiner Frühstücksmarke zur Herstellung von Pfannkuchen ‚Aunt Jemina‘ ändern (eine 130 Jahre alte Marke, bei der eine lachende schwarze Frau dargestellt wird)“. Die Firma Mars wolle ihre bekannte Reismarke „Uncle Ben’s“ weiterentwickeln, die seit den fünfziger Jahren das Gesicht eines schwarzen Mannes mit weißen Haaren namens Ben als Logo verwendet. Colgate werde seine in Asien verkauften Zahnpasten mit dem Markennamen „Darlie“ „überprüfen“, da der Name auf Chinesisch „Zahnpasta für Schwarze“ bedeute.

Doch der Normalkonsument, der ein Reispäckchen der Marke „Uncle Ben’s“ kaufe, störe sich laut Causeur im Allgemeinen nur wenig an der Entstehungsgeschichte des Firmensignets, mit der auf die „Sklavenvergangenheit“ der Vereinigten Staaten hingewiesen werde: „Der Normalkäufer mag das freundliche Lächeln der sympathischen Onkel Ben und schätzt seinen Reis, der ‚nie klebt‘“.

Müssen sich Konsumenten als Nachfolger des Kolonialismus fühlen?

Müsse sich der Konsument, der diese Produkte kauft, wirklich „als Nachfolger eines Kolonialismus fühlen, den es früher einmal gab? Er könnte sich ja auch die Frage stellen, was mit Onkel Ben geschehen wird. Wird man ihn durch einen guten Geist wie Meister Proper ersetzen, der – wie der Name schon sagt – offenbar über jeden Verdacht erhaben ist? Durch welche neuen Erscheinungsbilder wird man diese schwarzen Ikonen ersetzen? Mit blonden Köpfen? Aber werden dann die Weißen nicht wiederum überrepräsentiert sein? Darüber lässt sich umfassend diskutieren. Das Problem scheint unlösbar“.

Das Fazit des Causeur: „Die Lebensmittelkonzerne weichen dem Druck der Straße und der sozialen Netzwerke, wenn sie versuchen, das Logo ihrer Marken zu verändern, um auf die ‚politisch korrekte‘ Karte zu setzen und Skandale zu vermeiden. Die Bewegung zur antirassistischen Mobilisierung, die an den Tod von George Floyd gekoppelt ist, drängt 100 Jahre alte Firmenzeichen (die mitunter schon zu wahren Institutionen geworden sind) dazu, sich ‚neu zu erfinden‘, indem sie ihr Aggiornamento umsetzen: Ihre Botschaft zu verändern, um der Zeit verhaftet zu sein und moderner zu erscheinen – auch auf die Gefahr hin, für verlogen und opportunistisch gehalten zu werden“.

DT/ks