Mugabe spielt Katz und Maus

Die Gerüchteküche nach der Wahl in Simbabwe brodelt nun schon seit Tagen. Doch das Fass ist für die meisten Bürger des südafrikanischen Landes längst übergelaufen – und man lechzt nach einem Neuanfang. Allerdings kennt der Erfindungsreichtum des obersten Küchenchefs Robert Mugabe keine Grenzen. Schleppende Stimmauszählung, unbestätigte Gespräche mit der Opposition, eine mögliche Stichwahl: Der 84-jährige Alleinherrscher spielt mit der Weltöffentlichkeit und – was viel schlimmer ist – mit seinem Wahlvolk noch immer Katz und Maus.

Eines ist klar: Der Machtwechsel, der für die gesellschaftlich-wirtschaftliche Gesundung des Landes unumgänglich ist, scheint diesmal zum Greifen nah. Den Fehler zu begehen, Mugabes Taktieren mal wieder zu unterschätzen, wäre fatal. Denn während für viele Politiker in Europa und den Vereinigten Staaten dieser Wechsel längst beschlossene Sache ist, tüftelt der 84-jährige Alleinherrscher an einem Rezept, den Abschied von der Macht noch abzuwenden. Der siegessicheren Opposition die Suppe versalzen, lautet sein Ziel. Machtpolitisch nachvollziehbar, flüchtet er sich damit jedoch in eine Scheinwelt, die das Leiden der Bevölkerung nicht mehr sieht oder sehen will.

Denn während der 84-Jährige finanziell sicherlich keine Zukunftsängste haben muss, rinnt dem kleinen Mann auf den Straßen von Harare der wertlose Sim-Dollar weiterhin wie Sand durch die Finger. Selbst Mugabes übliche Lohnerhöhungen für Staatsdiener vor der Wahl konnten bei der aktuellen Inflationsrate ihren Zweck nur verfehlen. Seinen Ruf in der Bevölkerung hat der einstige Hoffnungsträger damit einmal mehr ramponiert. Für das Wohl Simbabwes ist zu hoffen, dass die Option eines militärischen Staatsstreichs auch weiter nur ein Gerücht bleibt. Nis

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16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier