Militanten Hindus ausgeliefert

München (DT/KNA) „Faschistische Methoden“ wirft der indische Bischof Sarat Chandra Nayak den Drahtziehern der Christenverfolgung in seiner Heimat vor. In den fünf indischen Bundesstaaten, in denen es derzeit Unruhen gebe, sei die nationalistische Hindupartei BJP an der Regierung, sagte Nayak am Donnerstag in München. Die christliche Gemeinschaft sei den Übergriffen militanter Hindus schutzlos ausgeliefert. Der Staat unternehme nichts gegen die Gewalt. Die Behörden hinderten Journalisten an der Berichterstattung vor Ort. Bischof Nayak sagte, die Ausschreitungen seien von langer Hand geplant. Die BJP kontrolliere etliche Splittergruppen, in denen es einen systematischen militärischen Drill gebe. Die Hindu-Nationalisten strebten nach einem Einheitsstaat ohne religiöse und kulturelle Vielfalt. In anderen Bundesstaaten seien radikale Hindus in gleicher Weise militant gegen Muslime vorgegangen.

In der Krisenregion in Orissa gebe es kein Dorf, in dem Christen nicht drangsaliert würden, klagte der Bischof. 25 000 Menschen seien geflohen, 5 000 Häuser zerstört und 50 Menschen ermordet worden. 1 000 Katholiken seien unter Zwang zum Hinduismus übergetreten, sonst wären sie ebenfalls getötet worden. Inzwischen seien auch die Flüchtlingslager nicht mehr sicher. Am Dienstag hätten 5 000 Hindu-Fanatiker ein Lager angegriffen, das unter dem Schutz von Armee und Polizei stand. Von radikalen Hindus organisierte Frauengruppen blockierten die Versorgung der Lager.

Bischof Nayak appellierte an die Staatengemeinschaft, die indische Regierung zum Stopp der anhaltenden Gewalt zu bewegen. In dem Konflikt geht es nach den Worten des Bischofs weniger um Religion als um grundlegende Menschenrechte. Ein großes Problem sei, dass die Schuldigen nicht verfolgt und bestraft würden. Der Bischof warf den militanten Hindu-Führern vor, religiöse Gefühle zu instrumentalisieren.

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