Menschenverachtung entgegentreten

Kirchen warnen vor zunehmender Fremdenfeindlichkeit – Umfrage: Mehrheit sieht den Islam nicht als Teil Deutschlands

Bonn/München (DT/dpa/KNA) Die beiden großen christlichen Kirchen haben vor einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit in Europa gewarnt. „Mit großer Sorge sehen wir, dass das europäische Projekt heute von innen und außen empfindlich herausgefordert wird“, erklärten am Freitag die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zum 70. Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. „Angesichts der unzähligen Opfer von Gewalt und Menschenverachtung ist es eine Frage der Treue zu ihnen und zu uns selbst, dem Erstarken menschenverachtender, fremdenfeindlicher und nationalistischer Bewegungen in Europa entschieden entgegenzutreten, den Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen und den Menschenrechten Geltung zu verschaffen.“ Die Auseinandersetzung mit Auschwitz, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 hervorgebracht habe, bleibe aktuell, betonten der DBK-Vorsitzende Reinhard Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. „Ohne die Achtung vor der Würde und den Rechten jedes Menschen gibt es kein humanes Zusammenleben. Der Prozess der europäischen Einigung ist eine wegweisende politische und zugleich zutiefst kulturell verwurzelte Antwort auf diese Erfahrung.“

Nach den Worten des Ratsvorsitzenden der EKD, Bedford-Strohm, braucht es zudem eine positive Vision des Zusammenlebens der Religionen. Es müsse deutlich werden, wie sie zum Frieden in der Gesellschaft beitragen könnten, sagte Bedford-Strohm am Freitag im Münchner Presseclub. Notwendig sei ein positives Bild der Religionen als Kraft der Versöhnung für die Gesellschaft. Für ihn gehöre deshalb ein „fundamentalistischer Islam“ nicht zu Deutschland, ein „menschenrechtsverbundener Islam“ aber schon. Dass Religion in den öffentlichen Raum gehört, sei selbstverständlich. Die Frage sei nur, wie und unter welchen Bedingungen. Nach Ansicht von Bedford-Strohm endet Toleranz gegenüber Religion und zwischen Religionen dort, wo Menschenrechte sabotiert oder ausgehöhlt würden. Religionen hätten für Menschlichkeit, Menschenwürde und Toleranz zu stehen.

Die Mehrheit der Deutschen sieht den Islam nicht als Teil Deutschlands. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage für das Münchner Magazin „Focus“ äußerten sich 56 Prozent Teilnehmer ablehnend zur Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Islam gehöre zu Deutschland. Unter denjenigen, die Merkels Aussage ablehnten, fänden sich vor allem Anhänger von AfD (94 Prozent), FDP (62 Prozent) und Linke (48 Prozent). Eine Mehrheit der Nichtwähler, nämlich 74 Prozent, sowie die Hälfte der befragten Unionswähler meinten ebenfalls, dass der Islam kein Teil von Deutschland sei. Bei den SPD- und Grünen-Wählern stellten sich ein knappes Drittel gegen die Aussage.

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