Mensch bleiben in der Arbeitswelt

Unternehmertum und christliche Werte sind vereinbar, meint der neue KKV-Vorsitzende Josef Ridders. Von Carl-Heinz Pierk
KKV-Vorsitzende Josef Ridders
Foto: Alexander Mühl/KKV

Herr Ridders, Sie sind neuer Bundesvorsitzender des KKV. Der 1877 als „Katholisch-Kaufmännischer Verein“ gegründete Sozialverband vertritt politisch die Interessen der Mitglieder. Wie interpretieren Sie diesen Auftrag?

Eines ist für den neuen Vorstand klar: Wir werden uns mit den drängenden gesellschaftlichen und sozialpolitischen Themen der Zeit befassen und dazu Stellung nehmen und eigene Ideen einbringen. Wir werden uns nicht mit dem Verfallsdatum von Joghurt und Quark beschäftigen, sondern zu unserem aktuellen Jahresthema „Mensch bleiben in der Arbeitswelt“ äußern. Dazu zählt insbesondere das Recht auf Unerreichbarkeit, nicht an 365 Tagen, 24 Stunden für die Arbeit da zu sein, der Sonntagsschutz = aktiver Familienschutz, gerechte Renten, Vermeidung von Altersarmut und sehr aktuell, das umfängliche Thema Industrie 4.0. Wir sagen eher Arbeit 4.0. Wo bleiben die Schwächeren in unserer Gesellschaft, beispielsweise die Menschen mit Handicap?

Ist es heute schwierig, Unternehmertun und christliche Werte zu vereinbaren?

Nein, das geht auch heute noch. Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere Preisverleihung zum Thema „Ehrbarer Kaufmann“. Diese KKV-Auszeichnung erfreut sich steigender Akzeptanz und uns lagen zahlreiche Vorschläge, nicht nur aus der Mitgliedschaft, sondern aus Industrie und Verbänden vor. Das Leben christlicher Werte, gute Arbeitsbedingungen, faire Führung, Umgang mit Ressourcen, um Beispiel zu nennen, sind für die Auszeichnung die Hauptkriterien.

Unternehmen ohne Gewinne sind auf Dauer nicht überlebensfähig. Welchen Einfluss haben Werte auf das finanzielle Ergebnis eines Unternehmens?

Sehr hohe. Die weitaus größte Zahl an Unternehmen haben sich Leitlinien gegeben, in denen sie ihre Ethik, insbesondere den Umfang miteinander beschreiben und die – ganz wichtig – überprüfbar auch von außen sind.

Was muss der KKV tun, damit christliche Wertvorstellungen in Staat und Gesellschaft, in Wirtschaft und Arbeitswelt verwirklicht werden?

Immer wieder die Stimme, zum Beispiel zu den oben genannten Themenfeldern zu erheben, aber ganz wichtig, eigene Vorschläge zu erarbeiten und zu transportieren, dieses aber auch im Verbund mit anderen christlichen Verbänden. Ganz wichtig erscheinen mir hierzu die stabilen und gut funktionierenden Ortsgemeinschaften, die vor allem vor Ort vieles bewegen können.

Ist es für den Verband in heutiger Zeit schwierig, öffentlich Flagge zu zeigen?

Ja, in einer sehr medialen Welt wird das zunehmend schwieriger. Wir haben dazu auf unserem 89. Bundesverbandstag in München eine Kampagne erarbeitet, mit der wir Familien, Jugendlichen, aber auch den älteren Menschen zu den drängenden Fragen unserer Zeit ein Angebot machen.

Müssen Katholiken in Wirtschaftsfragen mit einer Stimme sprechen?

Sie müssen es nicht, aber um mehr Gehör zu bekommen wäre es sinnvoll. Dieses strebe ich, bei aller Vielfalt der Themen und Meinungen, an und der KKV bietet hierzu eine gute Plattform.

Themen & Autoren

Kirche