Meisner: Scharfe Kritik an CDU

Hamburg (DT/KNA) Die CDU ist nach Ansicht von Kardinal Joachim Meisner für Katholiken „nur noch bedingt wählbar“. Mit Blick auf die Stammzell-Debatte beispielsweise „entwurzele“ sich die Partei zunehmend bei christlich denkenden Menschen, sagte der Kölner Erzbischof in einem am Mittwoch vorab verbreiteten Interview der Zeitschrift „Capital“. Er nehme das „C“ im Firmenschild sehr ernst und auch ihre führenden Politiker. Die Wahlentscheidung müsse natürlich jeder mit seinem Gewissen vereinbaren, so der Kardinal. Derzeit gebe es keine Partei, die den Katholiken besonders nahe stünde.

Enttäuscht zeigte sich Meisner über den Katholizismus in Bayern. „Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg“, urteilte der Kölner Erzbischof. Er habe sich den Katholizismus dort allgemein stärker vorgestellt und sei ernüchtert. Das gelte nicht nur für die Arbeit der CSU. Demgegenüber sei zu seiner Berliner Zeit das Verhältnis zum damaligen SPD-Senat „unverkrampft“ gewesen. Auch in Nordrhein-Westfalen habe es mit den SPD-Ministerpräsidenten Rau und Steinbrück eine gute Zusammenarbeit gegeben.

Scharfe Kritik übte Meisner an der Bezahlung von Führungskräften in der Wirtschaft. Manche extrem hohe Vergütung verstoße gegen die „guten Sitten“. Wer diese annähme und dabei die soziale Verantwortung vergesse, müsse sich schämen. Vielleicht, so Meisner im „Capital“-Gespräch weiter, könne die Einführung von Höchstgrenzen bei Managergehältern hier helfen. Der Kölner Erzbischof betonte die Wichtigkeit der Gewerkschaften. Sie seien wichtig für den Erhalt eines Gleichgewichts in Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig verteidigte der Kölner Kardinal die Bestrebungen der katholischen Kirche, Personalkosten zu sparen: „Auch die Kirche kann die ökonomischen Gesetze nicht außer Kraft setzen und will es auch gar nicht, wenn sie vernünftig ist.“

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