Mehr Uran im Iran

Teheran baut eine zweite Urananreicherungsanlage – Verschärfung knapp vor den Atomgesprächen in Genf

Wien/Teheran (DT/dpa) Wenige Tage vor den geplanten Atomgesprächen der Weltgemeinschaft mit dem Iran hat das Regime in Teheran den Bau einer bislang unbekannten Urananreicherungsanlage zugegeben. Bisher war nur bekannt, dass der Iran eine Anlage zur Anreicherung von Uran in Natans betreibt. Schon diese stieß bei der Weltgemeinschaft auf Widerstand. Nachdem der Iran herausgefunden habe, dass die zweite Anlage den westlichen Geheimdiensten bekannt ist, habe Teheran in einem Brief an die internationale Atomenergiebehörde IAEA mit Sitz in Wien deren Existenz zugegeben, sagten Diplomaten am Freitag.

Die IAEA bestätigte den Eingang eines Briefes. Der Iran habe versichert, dass in der Anlage Uran bis zu fünf Prozent angereichert werde, teilte die IAEA mit. Für den Bau von Atomwaffen ist eine höhere Anreicherung notwendig.

Zudem habe das Land zugesagt, weitere Angaben in einer „angemessenen“ Zeit zu liefern. Die IAEA habe Informationen über die Anlage und einen Zugang sobald wie möglich gefordert. In dem Schreiben habe der Iran angegeben, dass sich bislang kein nukleares Material in der Anlage befinde. Es habe aber weder Angaben zur Lage der Anlage gegeben noch dazu, wie weit das Projekt fortgeschritten sei, sagte ein Diplomat. Die Anlage soll laut einer namentlich nicht genannten Quelle der iranischen Nachrichtenagentur ISNA ähnlich der in Natans sein. Die neue Anlage bei Qom südlich von Teheran ist nach Angaben von gut informierten Kreisen groß genug für etwa 3 000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Das sei etwa die Menge, die man benötige, um innerhalb eines Jahres das Material für eine Atombombe herzustellen, aber nicht genug für einen Atomreaktor, hieß es. Die Anlage sei wohl nicht vor nächstem Jahr betriebsbereit. Ein anderer Diplomat ging von mindestens sechs Monaten bis zu einer möglichen Inbetriebnahme aus.

Nach IAEA-Regeln muss der Iran die Atomenergiebehörde informieren, sobald eine Entscheidung für den Bau solch einer Anlage gefallen ist. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits mehrfach ohne Erfolg Sanktionen gegen den Iran verhängt, um das Land von der Urananreicherung abzubringen. Teheran beteuert, Uran ausschließlich für zivile Zwecke wie Energiegewinnung nutzen zu wollen. Experten befürchten, dass das Regime mit dem angereicherten Uran Atomwaffen bauen könnte.

Die Atomgespräche sollen am 1. Oktober in Genf beginnen. Dort kommen Vertreter des Iran und der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats plus Deutschland zusammen, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Der iranische Chefunterhändler, Said Dschalili, erwartet laut einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ Konzessionen der USA und Europas bei dem Treffen in der Schweiz. „Jetzt ist der Westen am Zug“, wurde er zitiert. Auf das Thema Urananreicherung soll aus seiner Sicht nicht eingegangen werden. „Wir werden dieses Recht niemals aufgeben.“ Verschärfte Sanktionen fürchte seine Regierung nicht.

Die Anreicherung von Uran ist Dreh- und Angelpunkt des Atomstreits mit dem Iran. Laut dem Atomwaffensperrvertrag darf Teheran Kernenergie zivil nutzen und dafür auch Uran anreichern. Der Westen befürchtet, dass das Regime die Anreicherung in seiner Anlage Natans zum Bau der Atombombe missbrauchen könnte, denn je nach Grad der Anreicherung kann Uran zivil oder militärisch genutzt werden. Ausgangsstoff ist Uranerz, in dem das spaltbare Uran-235 nur zu 0,7 Prozent enthalten ist. Der Rest ist nicht-spaltbares U-238.

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