Mamma mia!

Romano Prodi macht den Opa – Englands Sprachpolizisten zum Trotz

Von Guido Horst

Man muss schon stolzer Präsident Frankreichs sein, damit selbst die privatesten SMS des Herrn Staatschefs den Weg in die internationale Presse finden. Aber es reicht schon, italienischer Ministerpräsident zu sein, um wenigstens mit den üblichen Journalistenplaudereien in die nationalen Zeitungen zu kommen. Romano Prodi also, so weiß man jetzt im ganzen Land, will demnächst im Kreise der Familie „den Opa machen“. Kommt her, ihr Kleinen! Zeit hat er ja. Und da nimmt der scheidende Ministerpräsident Italiens doch richtig sympathische Züge an. Seht her, ruft er nach Norden, ich bekenne mich zu meiner Opa-Rolle.

Ja, nach Norden. Denn dort, im angelsächsischen Teil unseres Kontinents, hat die britische Regierung beschlossen, dass „Mama“ und „Papa“ Unwörter sind, „bad words“, die Lehrer im Unterricht nicht mehr zulassen dürfen. Stattdessen solle man das geschlechtsneutrale Wort „Eltern“ verwenden. So steht es in Leitlinien für englische Schulen. Gender lässt grüßen, aber Italien grüßt zurück: Weder die Butter vom Brot noch Mama und Papa oder Oma und Opa lassen wir uns nehmen! Die spinnen wohl, die Briten, entrüsten sich die Römer und schicken ihren altgedienten Regierungschef an die vorderste Front. Irgendwo muss Schluss sein mit dem ganzen Gender-Quatsch.

Das gilt übrigens sowohl für „Queen mum“ seligen Andenkens wie auch für Mama und Papa. Was wäre die italienische Familie ohne „la mamma“, und wie schön ist es, wenn der kleine Pimpf noch einen Opa hat. Und so zieht Prodi gegen die Sprachpolizisten der „political correctness“ zu Felde – mögen ihm viele Omas und Mamas folgen, Opas und Papas vereinigt euch! „Seit Bacon spricht der Teufel Englisch“, hat Harry Mulisch formuliert. Und der Gender-Unsinn ist nur einer der vielen Schwänze, mit denen er sich zeigt.

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