„Liefert keine Waffen mehr!“

Syrien: Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag in Christenviertel – Erzbischof: Es braucht Druck von außen. Von Anna Sophia Hofmeister
Foto: dpa | Erste Hilfe für ein Opfer des Attentats.
Foto: dpa | Erste Hilfe für ein Opfer des Attentats.

Damaskus (DT) Nach dem Bombenanschlag auf ein Christenviertel in Damaskus, wächst die Sorge um die Christen in Syrien. „Die Lage in Syrien ist dramatisch“, beklagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, am Freitag gegenüber der „Tagespost“: Das gelte für das ganze syrische Volk, aber „ganz besonders für die Christen“. Die verschiedenen Gruppen, die um die Macht im Land streiten, kämpfen vor allen Dingen auch gegen die Christen, die sie als Fremdkörper betrachten. „Das ist falsch und tragisch.“

In einem vorwiegend von Christen bewohnten Viertel von Damaskus waren bei einem Sprengstoffanschlag am Donnerstag acht Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugen in Bab Tuma berichteten, sie hätten zudem sieben Verletzte gesehen. Kurz vor der Explosion sei an einer nahe gelegenen Hauptstraße eine Granate eingeschlagen. Die staatlichen Medien meldeten, die Explosion sei das Werk eines Selbstmordattentäters, der sich neben der Kirche St. Maria in die Luft gesprengt habe. Syrer veröffentlichten in sozialen Netzwerken ein Foto, das einen toten Mann ohne Unterleib im Garten der Kirche zeigt. Nach Meinung des Erzbischofs kann der Syrien-Konflikt nur gelöst werden, indem möglichst bald Frieden einkehrt mit einer Neubelebung der ganzen gesellschaftlichen Situation, „in der dann die Christen wie alle anderen auch ihren angestammten Platz einnehmen können“. Ohne äußeren Druck sei dies aber nicht nicht möglich. „Es braucht jetzt den Druck von Außen, um die verfeindeten Gruppen zu entwaffnen und an einen Tisch zu bringen“, so Schick. Der Erzbischof hält dies für möglich. Voraussetzung dafür sei eine Ende der Waffenlieferungen: „Die Bewaffnung der Rebellen und weitere Waffenlieferungen an das Assad-Regime sind Gift für die ganze Situation.“ Die Waffenlieferungen müssten für alle Gruppen, die dort gegeneinander kämpfen, unverzüglich eingestellt werden, fordert Schick. „Die Bischöfe in Syrien, aber auch im Libanon und allen Staaten rundherum warnen und flehen, keine weiteren Waffennach Syrien zu liefern, denn das macht das ganze Gemetzel, das dort stattfindet, nur noch größer und schrecklicher.“ Amerika und Russland und die anderen Nationen sollten sich auf einen Friedensplan verständigen, den sie dann auch durchsetzen müssen. Schick schlägt für den Augenblick eine Flugkontrolle über Syrien vor, „was allerdings nur zusammen mit allen beteiligten Nationen – also Russland, Amerika et cetera – überhaupt durchführbar wäre“. Um den Konflikt zu beenden, müssten „die entsprechenden Schritte bald und entschieden“ getan werden. Für die Christen vor Ort gebe es nur einen wirksamen Schutz: Die Befriedung des gesamten Landes. Angesichts der Eskalation in Syrien rief Schick alle Christen zum Gebet auf: „Wir müssen beten: Das Gebet ist eine große Stütze. Ich vertraue ganz fest darauf und rufe dazu auf, natürlich mit dem Gebet auch unseren möglichen politischen Einfluss auf alle zu verbinden, die im Syrienkonflikt helfen können.“ Der Friede sei auch wichtig für den ganzen Nahen Osten, das Heilige Land.

Bereits vor dem Anschlag hatten der Vatikan und eine internationale islamische Dialoggruppe gemeinsam ein sofortiges Ende des Bürgerkriegs in Syrien gefordert. „Wir verurteilen scharf, was in Syrien passiert“, heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichten Erklärung des päpstlichen Dialogrates und des „Internationalen Islamischen Forums für Dialog“. Die Tötung so vieler Unschuldiger sei ein Angriff gegen den geheiligten Charakter und die Würde des menschlichen Lebens. „Daher fordern wir von den regionalen und internationalen Organisationen, alles irgend Mögliche zu tun, um gemäß dem Völkerrecht das Blutvergießen zu beenden.“ Die in Englisch und Arabisch veröffentlichte Erklärung folgt auf ein römisches Treffen vor einer Woche mit dem Titel „Gläubige in Konfrontation mit Materialismus und Säkularismus in der Gesellschaft“. Darin betonen beide Seiten die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen für Frieden und Gerechtigkeit. Wörtlich heißt es: „Die Welt von heute ist mit vielen Arten von Krisen konfrontiert. Wir erkennen unsere gemeinsame Verantwortung, als Gottglaubende alles nur Mögliche zu tun, um verwundbare Menschen in dieser Zeit zu schützen.“ Viele Menschen litten heutzutage unter dem Verlust spiritueller Wurzeln. „Dieses Phänomen schwächt die innere und moralische Dimension des Einzelnen wie der Gesellschaft.“ Christentum und Islam hätten die Aufgabe, die in sich unteilbaren Sphären des Materiellen und des Spirituellen miteinander in Einklang zu bringen. Erfreut zeigten sich die Teilnehmer über den Empfang durch Papst Franziskus. Er habe sie ermutigt, den Weg eines respektvollen und fruchtbaren Dialogs im Interesse von Frieden auf der Welt weiterzugehen. (Mit Material von dpa/KNA)

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