Leitartikel: Trendwende gesucht

Von Jürgen Liminski
Jürgen Liminski
Foto: DT | Jürgen Liminski.

Es werden mehr Kinder in Deutschland geboren. Das ist erfreulich, für alle Kinder, auch für die mit dem sogenannten Migrationshintergrund, was den Kindern selbst vermutlich ziemlich egal ist. Hauptsache, die Mama ist da und verschwindet nicht irgendwo im Hintergrund, weg von zuhause. Ab dem dritten Jahr kann das ja anders sein, dann will das Kind auch die Welt entdecken. Deshalb ist der Kindergarten auch eine sinnvolle Einrichtung zum Wohl des Kindes, Krippen dagegen nur ein Notbehelf. Da können Forscher, Journalisten und Politiker noch so oft Lobeshymnen auf die Krippenkultur anstimmen, die Bindungs-und Hirnforschung ist eindeutig: Krippen sind ein Risiko.

Die erhöhte Kinderzahl ermuntert nun manche Feder zu weit hergeholten Vergleichen: „Historische Trendwende bei Geburten“, heißt es in der WELT. Aber der historische Kick erschließt sich nicht, weil er nicht existiert. Hier wird mit statistischen Daten hantiert nach dem Motto Churchills, „was ich nicht selbst gefälscht habe...“. So stützt sich der Familienforscher Bujard vom Institut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden auf die Daten eines Jahrgangs, aber nur eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum als ein paar Jahre kann seriöse Trendthesen liefern. Eine Trendwende wird es erst geben, wenn die Zahl der kinderreichen Familien steigt und die der lebenslang kinderlosen Frauen sinkt. Das sind die entscheidenden Parameter für dauerhaft höhere Geburtenquoten.

Bedenklicher als die statistischen Überlegungen ist gesamtgesellschaftlich schon heute aber der kulturelle Unterschied. Vor allem türkische Frauen in Deutschland bekommen mehr Kinder. Die Multikulturalität ist nicht nur ein Segen. Sie kann auch zum Fluch mutieren, wie man in der Sylvesternacht gesehen hat. Beschneidung und Genitalverstümmelung im Kindesalter sind keine bloß rituellen Kulturmerkmale. Sie hinterlassen tiefe Wunden und Verwüstungen in der kindlichen Seele. Auch der hohe und wachsende Anteil Jugendlicher aus anderen Kulturräumen, konkret aus islamischen Ländern, in den Städten muss über die Statistiken hinaus zu Überlegungen führen, wie die Integration zu gestalten ist. Die kommende Integrationskrise ist die nachgezogene Schwester der Flüchtlingskrise.

Man könnte in den Äußerungen der sogenannten Familienforscher Formeln der Beschwichtigung erkennen: Alles nicht so schlimm, es gibt wieder mehr Kinder; wir brauchen nicht mehr Geld für Familien, das sollte alles in den Krippenausbau gehen. Und: mehr Kinder heißt sichere Rente, also kann man im Wahlkampf wieder die ältere Klientel mit Rentengeschenken umwerben. So könnte man es sehen. Aber man muss nicht verschwörungstheoretisch Aussagen einzelner Wissenschaftler interpretieren. Familie ist als Institution zu sehen und das findet man in Politik, Medien und Wissenschaft immer seltener. Die Familie ist der Kern aller Sozialordnung (Benedikt XVI.), in ihr wird, so die wissenschaftliche Literatur, das Gefühl für Solidarität in einer Effizienz erzeugt, wie nirgendwo sonst. Darauf kommt es an für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Diese Trendwende muss kommen und das muss deutlich gemacht werden. Die Kirchen sollten das tun. Sonst tut es keiner.

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