Leitartikel: Heilig, stark und universal

Von Guido Horst
Foto: DT | Guido Horst.
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Auch wenn der zehnte Todestag von Johannes Paul II. wegen der Konzentration auf die Feiern der Karwoche etwas am päpstlichen Rom vorbeigeht, denken heute Viele wieder an das Leiden und Sterben von Karol Wojtyla. Das einfache Attribut „groß“ ist immer noch das geeignetste, um ihn zu kennzeichnen: ein großer Pole, ein großer Papst, ein großer Heiliger. In der Bilanz war dieses fast 27 Jahre währende Pontifikat für das Papsttum eine epochale Zeit, die schließlich in jener Agonie gipfelte, die Johannes Paul II. schon ganz mit dem Blick auf die himmlische Herrlichkeit durchlitt. Dieses Leiden bis zum Ende hat ihn für sehr viele Menschen unvergesslich gemacht.

Der heilige Johannes Paul II. hat dem Papstamt eine neue Gestalt gegeben, ohne es theologisch zu verändern. Aber er war der erste Medienpapst, er wurde zu einem religiösen Führer, auf den die ganze Welt, nicht nur die katholische, und auch die Politik – nicht nur die christlich inspirierte – aufmerksam schauten. An die historische Zeitenwende mit dem Fall der Mauer, dem Ende des Kalten Kriegs und dem Aufbruch in eine ungewisse, globalisierte und multipolare Zukunft der Menschheit muss nicht eigens erinnert werden. Sicher ist jedoch, dass Papst Johannes Paul II. zu einem universalen Protagonisten in diesen Jahrzehnten des Wandels wurde, eines Wandels, der nicht zuletzt dazu führte, dass man die Religion heute wieder fast als das außenpolitische Thema Nummer Eins bezeichnen möchte.

Das Ergebnis war, dass das Papsttum heute eine Bedeutung hat und eine solche Aufmerksamkeit genießt, wie das in der Geschichte bis dahin nie der Fall war. Die Informationswelt von heute nimmt die Kirche kaum noch als von Bischöfen geleitete Ortskirchen oder als eine sich über Synoden und Konzilien durch die Zeit bewegende Körperschaft wahr, sondern als religiöse Gemeinschaft, die in ihrem Oberhaupt in Rom ihr geballtes Zentrum hat. Für manche Außenstehende ist die Kirche der Papst – und umgekehrt.

Die Frage, ob diese Entwicklung der Kirche guttut, ist nur sehr schwer zu beantworten. Man schaut heute auf Führer, auf starke Gestalten, auf Protagonisten. Und Johannes Paul II. war ein Mann, der diese Rolle voll und ganz ausfüllte: mit seinem Glauben, mit seinem Charisma, mit seinen „Erfindungen“ wie dem Reisepapst und den Weltjugendtagen, mit seiner fast perfekten Beherrschung des Spiels der Medien. Das ging bis ins Detail.

Papst Wojtyla hatte einen Zeremonienmeister Piero Marini, der augenfällige und fernsehgerechte Liturgien inszeniert. Er hatte einen fähigen Spin-Doctor, Joacquin Navarro-Valls, als persönlichen PR-Agenten, der geschickt am Bild des Medienpapstes feilte. Die Versuche der Kurie, daraus wieder einen Vatikan-Sprecher als mehr oder weniger schlecht informiertes Sprachrohr des Staatssekretariats zu machen, haben in der Amtszeit von Benedikt XVI. zu einigen medialen Unglücken geführt. Und Franziskus? Er will sein Amt bescheiden ausüben, steht aber dennoch völlig im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Seit dem heiligen Johannes Paul II. ist der Papst wieder ungeheuer populär.

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