Leitartikel: Globaler Wahnsinn

Von Jürgen Liminski
Foto: DT | Jürgen Liminski.
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Die Stiftung Weltbevölkerung malt mal wieder den Malthus-Teufel an die Wand. Medial geschickt kommt sie zum Jahresende mit der alten These des Thomas Robert Malthus (1766–1834) um die Ecke, wonach das Bevölkerungswachstum Armut zur Folge hätte und deswegen strikt kontrolliert werden müsse. Abgesehen davon, dass hinter der Stiftung, die Abtreibung für ein Mittel der Empfängnisregelung hält, die pillenvertreibende Drogeriekette Roßmann steht und die Thesen des britischen Pastors mehrfach widerlegt wurden, führen solche Propaganda-Meldungen nicht nur in die Irre, sondern lenken von wirklichen Gefahren ab. Denn es geht nicht nur um individuelles Wohlbefinden, sondern um das Wohl aller, um den Zusammenhang von Demografie und Wirtschaft und zwar weltweit.

Gerade im Erdteil Asien, in dem heute rund 60 Prozent aller Menschen leben, lassen sich diese Zusammenhänge immer deutlicher erkennen. Die Ein-Kind-Politik des menschenverachtenden chinesischen Regimes zeigt bittere Früchte. Über Jahrtausende war die Familie die bewährte Form der Altersvorsorge. Mit der brutalen Geburtenkontrolle einschließlich Zwangsabtreibungen hat sich nicht nur numerisch, sondern vor allem emotional ein brutaler Wandel vollzogen. Beredter Ausdruck ist das Gesetz, das vor ein paar Monaten erlassen wurde und die (Einzel-) Kinder verpflichtet, ihre Eltern wenigstens einmal im Monat zu besuchen. Schon gibt es „Dienste“, die diese Aufgabe übernehmen. Aber in wenigen Jahren wird es mehrere hundert Millionen alte Menschen geben, die ohne Zuwendung einsam auf dem Land oder in den emotionalen Eiswüsten der Städte verkümmern, in den Wohnwaben, den modernen Gräbern der emotional Toten. Viele von ihnen werden auch in materiellem Elend dem Ende zusterben. Welche sozialen Verwerfungen da zu erwarten sind, ist noch nicht absehbar. Menschlich ist das nicht und ob das der Markt der Zukunft ist, auf den so viele deutsche Unternehmen setzen, darf man auch bezweifeln.

Auch in Japan vollzieht sich geradezu das Gegenteil von dem, was Malthus prophezeite: Krise und Elend durch zu wenig Kinder. In der Washington Post war es neulich zu lesen (in deutsch unter Institut für Demografie, Allgemeinwohl und Familie www.i-daf.org). Die rasante Alterung und nachweisliche sexuelle Apathie der Japaner führe zu einem eklatanten Mangel an Fachkräften, Konsumenten und Steuerzahlern. Japan stehe kurz vor einer Insolvenzwelle, die wiederum einen Vertrauensverlust an Märkten hervorrufen und so eine größere Finanzkrise auslösen könnte als die des Euro. Investoren würden bald in japanischen Staatsanleihen keine sichere Anlage mehr sehen, was Folgen für die Zahlungsfähigkeit Japans hätte. Japan besitzt 1,1 Billionen US Dollar in US Staatsanleihen, eine japanische Staatspleite hätte auch verheerende Folgen für die USA und würde auch die schon verlangsamte chinesische Wirtschaft gefährden. China ist Japans wichtigster Handelspartner.

In Japan und China blickt man in den Abgrund und Stimmen werden laut, die ein Verbot der Abtreibung fordern. In Europa laufen Politik und selbsternannte Experten alten Trugbildern nach. So ist die Kultur des Todes. Was für ein Wahnsinn!

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