Leitartikel: Fillon, der Hoffnungsträger

Von Jürgen Liminski
Jürgen Liminski
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Frankreich hat einen neuen Hoffnungsträger, mit ihm auch Europa. Francois Fillon ist der Mann, der das Land aus dem linken Tal der Tränen wieder an die Spitze Europas führen will. „Nichts kann ein Volk aufhalten, das aufsteht, um seine Zukunft in die Hand zu nehmen.“ Es sind solche Sätze, die den Franzosen Mut geben – wenn sie von einem Mann ausgesprochen werden, der ein entsprechendes Programm für diese Zukunft verkörpert. Sicher, bei diesen Vorwahlen der Konservativen sind nur zehn Prozent aller Wähler zu den Urnen gegangen. Aber der Trend ist eindeutig. Fillon hat gezeigt, dass er überzeugen und sammeln kann. Sein kühles Charisma, sein Vertrauen in die kartesianische Urteilsschärfe französischen Denkens, in die Opferbereitschaft der Mehrheit der Franzosen, in ihre Sehnsucht nach ernsthafter und ehrlicher Führung setzen Kräfte frei, die Viktor Hugo ähnlich wie Fillon formulierte: „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“.

Die Zeit und die Ideen sind da, mit ihnen die Wende. Es ist eine Abwendung von staatlicher und parteilicher Gängelung, von medialer Bevormundung. Es ist eine Hinwendung zu persönlicher Verantwortung und Freiheit, zu den Werten der Familie und der Vaterlandsliebe, zu Fleiß, Ordnung und Achtung vor dem Gesetz. Und Fillon ist der Mann, der diese Werte und Tugenden in konkrete Politik umsetzen will.

Werte und Tugenden – schon diese Worte sind Linksliberalen ein Graus. Sie wüten. Aber die mediale Diabolisierung des Kandidaten hat die Franzosen im konservativen Lager nur noch stärker mobilisiert. Mit dem jetzigen Sieg bei den Vorwahlen ist der Schnee ins Rutschen gekommen. Der Effekt dürfte sich bis zur Lawine fortsetzen, denn Redaktionen und Politiker fürchten Fillon, sie werden weiter wüten. Arroganz und Frust der noch herrschenden Elite zeigte sich schon am Wahlabend, als Cohn-Bendit im Fernsehstudio ausfallend wurde. Dieses Establishment wird verschüttet werden. Die Mehrheit der Wähler in allen Lagern will kein Ächten und Abkanzeln. Sie will die argumentative, gesittete Auseinandersetzung.

Die Auseinandersetzung wird hart werden. Denn die Konservativen haben zum ersten Mal seit Pompidou, also seit 42 Jahren, wieder einen Kandidaten, der nicht kompromisslerisch mit linken Ideen spielt, der sich offen zu seinem Glauben und den christlichen Wurzeln Frankreichs bekennt, der respektvoll mit Gegnern umgeht, aber ebenso entschieden wie höflich seine Ideen verteidigt. Auch Berlin wird sich umstellen müssen. Denn Fillon ist wirtschaftlich liberaler und gesellschaftspolitisch konservativer als Merkel. Er vertritt ein Programm und keine Sammlung von Allgemeinplätzen. Der Wähler weiß, mit wem er es zu tun hat, und gerade diese Aufrichtigkeit, die Solidität und programmatische Treue machen Fillon so authentisch. Das ist das offene Geheimnis seines Charismas. Nach jüngsten Umfragen wird Francois Fillon im kommenden Mai gegen Marine Le Pen in der Stichwahl haushoch gewinnen. Die Wechselstimmung ist da, Frankreich ist bereit, nach den „fünf Jahren des Scheiterns“ (Fillon) den Aufbruch mit Opfern zu wagen. Mehr noch: Dieser Hoffnungsträger ist die Antwort Frankreichs auf die Krise unserer Zeit.

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