Wien

Leitartikel: Der Terror zeigt die Bringschuld des Islam

Muslime, die Terror und Gewalt ablehnen, müssen sich jetzt gegen den Missbrauch ihres Glaubens wehren: indem sie nicht ihre Kritiker, sondern die Islamisten ächten.

Nach dem Terrorangriff in Wien
Rote Rosen und eine Kerze liegen in Gedenken an die vier Opfer des Terroranschlags in der Wiener Innenstadt. Foto: Matthias Schrader (AP)

Gestern Nizza, heute Wien – und morgen? Der islamistische Terror muss nicht von außen nach Europa hereingetragen werden. Er ist längst da. In Wien, wo Kaiser Franz Joseph dem (damals bosnischen) Islam bereits 1912 eine europäische Rechtsgestalt gab, war der Terrorist ein im Land geborener mazedonisch-österreichischer Doppelstaatsbürger albanischer Muttersprache.

Rechtsfreie Räume und Paralleljustiz

Salafistische Videos, die unter bosnischen Muslimen für emotionale Verwirrung sorgen, werden heute nicht mehr auf der arabischen Halbinsel produziert, sondern in Österreich und Deutschland. Rechtsfreie Räume und Parallel-Justiz machen sich breit. Gewalt und Mobbing halten manche selbsternannten Sittenwächter für legitim. Der Schritt zum „Ehrenmord“ oder Terroranschlag ist dann klein.

Europa hat in einer langen, schmerzensreichen Geburt so etwas wie Religionsfrieden hervorgebracht. Ihn gilt es jetzt zu schützen und zu verteidigen: Das Ziel ist ein wehrhafter Rechtsstaat freier Bürger, kein schwacher Staat als Summe schwer durchschaubarer Parallelgesellschaften. Toleranz ist ein Ausdruck des Respekts vor der Würde jedes Menschen, nicht etwa Zeichen von staatlicher Dekadenz und Schwäche. Sollte da etwas missverstanden worden sein, muss das jetzt unverzüglich und maximal deutlich klargestellt werden.

Die Staaten Europas können ihren Bürgern rechtsfreie Räume ebenso wenig zumuten wie ein Leben in ständiger Terrorangst. Die europäische Lebensart ist längst nicht mehr unangefochten, sondern von außen und – noch dramatischer – von innen in Frage gestellt. Jetzt müssen sich unsere freiheitlichen Rechtsstaaten als wehrhaft erweisen: gegen sektiererische, ideologische und tribale Infragestellungen. Das ist im Interesse aller Bürger, auch der großen Mehrheit der in Europa lebenden Muslime.

Salafistische, gewaltbereite Substruktur

Alle islamischen Verbände müssen beweisen, wie es um ihre Friedens- und Toleranz-Potenziale steht. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf, zu sehen, welchen Widerstand der organisierte Islam dem ideologischen Missbrauch der Religion für Gewalt und Terror entgegensetzt. Offenkundig ist ja: Es gibt nicht nur den netten, hilfsbereiten türkischen oder arabischen Gemüsehändler und den Kebab-Verkäufer unseres Vertrauens. Es gibt jenseits davon auch eine Substruktur, die salafistisch und gewaltbereit denkt – und im Zweifelsfall dann auch so handelt. Sie herauszufiltern und mit allen Mitteln des Rechtsstaates gegen sie vorzugehen, ist ein Gebot der Stunde.

Die offiziellen Vertreter des Islam sollten darum aufhören, bei jeder Kritik reflexartig über die „wachsende Islamophobie“ zu jammern: Ja, sie wächst – und zwar mit jedem Terror- und Gewaltakt, mit jedem gewaltsamen oder sexistischen Übergriff, mit jeder Brutalität und menschenverachtenden Grausamkeit, die von jenen „Gläubigen“ ausgehen, die sich auf den Islam, den Koran und ihren Propheten berufen.

Das Hauptproblem aller friedliebenden Muslime in Europa sind heute die gewaltbereiten Muslime. Darum sollten alle islamischen Autoritäten ihre Kräfte bündeln, um das Terror- und Gewaltpotenzial in der eigenen Umma endlich in den Griff zu bekommen. Mit Distanzierungen und Bedauern allein ist es nicht getan. Der Islam in Europa hat eine Bringschuld: Er muss beweisen, dass er rechtsstaatskonform und gesetzestreu agieren kann. Und er muss Terroristen, Gewalttäter und Parallelgesellschaften konsequent ächten.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Hier kostenlos erhalten!