Leitartikel: Das Ziel ist jetzt die kollegiale Gesinnung

Nach dem Brief aus Rom: Jetzt muss der Chef der Bischofskonferenz zeigen, dass er den Kreis seiner Amtsbrüder wieder zu Einheit und Eintracht zurückführen kann. Von Guido Horst
Guido Horst

Kardinal Reinhard Marx ist in eine schwierige Lage geraten. Zum einen muss er seinen protestantischen Gesprächspartnern erklären, warum er die angepeilte Zulassung von Protestanten zur Eucharistie in Einzelfällen nicht in trockene Tücher gebracht hat. Zum anderen muss er etwas für das Gesprächsklima im Kreis der deutschen Bischöfe tun. Was jetzt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller empfohlen hat, nämlich dass die Bischofskonferenz ihre „Pastorale Handreichung“ zum gemeinsamen Kommunionempfang gemischt-konfessioneller Ehepaare dennoch veröffentlicht, wäre genau der falsche Weg. Das würde den Kommunionstreit unter den Bischöfen nochmals aufheizen, anstatt, wie es Erzbischof Luis Ladaria am Ende seines Briefs schreibt, in deren Konferenz „die kollegiale Gesinnung zu konkreter Verwirklichung zu führen“. Nur in kollegialer Gesinnung können die deutschen Bischöfe Gemeinsamkeit in der Frage finden, was in der Ökumene in Deutschland möglich ist und was nicht. Nur gemeinsam können sie nach Wegen suchen, um bei den Menschen in ihren Diözesen wieder deutlicher ins Bewusstsein zu holen, was denn die katholische Kirche tut, wenn sie Eucharistie feiert.

In den drei entscheidenden Fragen hat Kardinal Marx nicht Recht behalten: Er behauptete, dass die „Pastorale Handreichung“ Fragen des Glaubens nicht berührt. Dass sie keine weltkirchlichen Implikationen hat und auch das Verhältnis zu den anderen christlichen Konfessionen nicht berührt. Umgekehrt haben die sieben Bischöfe mit ihrer Eingabe nach Rom in genau diesen Fragen Recht behalten. Doch bei dieser Spaltung kann es nicht bleiben. Dann müsste Marx als Konferenzvorsitzender zurücktreten, denn es wäre angesichts des dramatischen Glaubensverlusts in Deutschland untragbar, dass die Bischofskonferenz in zwei Lagern fortexistiert. Da ist aber nicht nur der Münchener Kardinal in der Pflicht. Alle Bischöfe, vor allem die, die sich in der Frage der Kommunionzulassung von Protestanten exponiert haben, müssen dazu beitragen, zu einer gemeinsamen Gesinnung zurückzufinden.

Es hat Aussagen von Papst Franziskus gegeben, etwa die beim Besuch der lutherischen Gemeinde in Rom im Jahr 2015, die den Eindruck erweckt haben, als würde er einen deutschen Sonderweg in der Kommunionfrage durchgehen lassen. Aber der Papst ist auch als Mann bekannt, der seine Meinung durchaus ändern kann. Noch im Januar hat er in Chile die Missbrauchsopfer vehement als Verleumder hingestellt. Jetzt lässt er sie in Santa Marta logieren, hört ihnen zu und glaubt ihnen. Er ist da auf lateinamerikanische Art durchaus flexibel – ohne deswegen Schlafstörungen zu bekommen. Die mahnenden Worte des orthodoxen Metropoliten Augoustinos zu einer „Ökumene von unten“ in der Frage der Interkommunion auf dem Katholikentag in Münster können Franziskus durchaus beeindruckt haben. Wenn der Papst merkt, dass das Verhältnis zu den orthodoxen Schwesterkirchen beschädigt werden könnte, wird er vorsichtig. Und vorsichtig wird er auch, wenn er den Eindruck gewinnt, dass ihn da jemand vereinnahmen möchte. Kardinal Marx gilt als forscher Betreiber der eigenen Agenda. Jetzt sollte er diplomatischer sein – in Rom wie in seiner deutschen Heimat. Der Vatikan hat den Kommunionstreit der deutschen Bischöfe entschieden. Da noch mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, richtet nur noch mehr Schaden an.

 
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