Augsburg

Lebensrechtlerin verteidigt Kritik an CDU-Politikerin Flachsbarth

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger hat der Lebensrechtsbewegung vorgeworfen, Maria Flachsbarth zu Unrecht für ihr Engagement bei She Decides zu kritisieren. Eine Entgegenung.

Abtreibungsgegner demonstrieren
Der Bundesverband Lebensrecht gehört auch zu den Organisatoren des Marsches für das Leben. Foto: Paul Zinken (dpa)

Man kann keine katholische Organisation leiten und gleichzeitig „Champion“, prominenter Werbeträger also, für She Decides, eine Abtreibungsorganisation, sein, für die unter anderem auch der CEO der Abtreibungsorganisation Marie Stopes International, Simone Cooke, als „Champion“ fungiert. Diese von Frau Flachsbarth übernommene Position erklärt die explizite Erwähnung von She Decides in einem eigentlich guten Bundestagsantrag, die Auslöser für die aktuelle Debatte ist. Unzutreffend ist auch Frau Flachsbarths Aussage, Abtreibung sei „im Einzelfall“ ein „schrecklicher, letzter Ausweg“. Bei jeder Abtreibung stirbt mindestens ein Mensch und wird mindestens ein weiterer geschädigt, sie kann niemals ein Ausweg sein, sondern immer nur eine Katastrophe und eine Kapitulation. Und sie findet keineswegs „im Einzelfall“ statt, sondern so oft, dass sie mit über 50 Millionen abgetriebenen Kindern jährlich die mit Abstand häufigste Todesursache der Welt ist.

Man kann kein „C“ im Parteinamen führen und Organisationen unterstützen, die zu den weltweit größten Abtreibungsanbietern und -ideologen gehören. Organisationen wie International Planned Parenthood Federation (IPPF; 5,6 Millionen „abortion-related services“ 2019), Marie Stopes (knapp fünf Millionen durchgeführte Abtreibungen 2019) oder She Decides sind für diese Zahlen und die zugrundeliegenden Ideologien in hohem Maße mitverantwortlich. Dass IPPF ebenso wie Pro Familia von Anhängern der Eugenik gegründet wurde, sollte auch im Hinblick auf die Themen Rassismus und Euthanasie weiter zu denken geben. Es ist bekannt, dass besonders viele Abtreibungseinrichtungen in den USA in von Minderheiten bewohnten Stadtvierteln liegen, leicht ersichtlich zum Beispiel in New York durch die Google Maps-Eingabe „abortion institution“.

Nicht Frauenrechte, sondern Ideologie

Da die künstliche Verhütung auch Versagerquoten hat und sich eine „Nur-kein-Kind“-Mentalität entwickelt, gehört die Abtreibung unbedingt zum Gesamt-Plan, der unter anderem die Trennung von Sexualität und der Zeugung von Kindern zum Ziel hat. Wurde Abtreibung früher versteckt in Begriffen wie „sexuelle und reproduktive Gesundheit“ integriert – man musste länger in den Dokumenten suchen, um klare Hinweise zu finden –, steht sie nun selbstverständlich, meist als „sicherer und legaler Zugang zu Abtreibung“, neben Maßnahmen wie Krebsvorsorge, Schwangerenversorgung oder sichere Geburt. IPPF unterstützte letztes Jahr 17 gesetzliche Bestrebungen, um Abtreibung zu legalisieren, aber lediglich zwei, um Kinderheirat zu beenden. Die Behauptung dieser Organisationen lautet, künstliche Verhütung und Abtreibung brächten die Frauen weiter und die dadurch verringerte Kinderzahl bringe die Wirtschaft ihrer Heimatstaaten voran.

Ein Blick in diese Staaten zeigt, dass die großen Probleme der Menschen vor allem mangelnde Bildung, fehlender Zugang zu Gesundheitsversorgung oder sauberem Trinkwasser sind. In Bangladesch sank die Kinderzahl in den letzten Jahrzehnten von 6,36 (1980) auf 2,04 (2018), was gemäß der genannten Behauptung für wirtschaftlichen Aufschwung und Emanzipation günstige Voraussetzungen sein sollten. Von beidem aber ist in diesem und vielen weiteren Staaten wenig zu bemerken. In Bangladesch arbeiten 83 Prozent der Menschen unter prekären Bedingungen, der nicht durch Kinderreduzierung bedingte Aufschwung der Textilindustrie kommt bei der Mehrheit der Menschen nicht an, 13 Prozent der Kinder arbeiten, um ihre Familie mit zu ernähren, echte Gleichberechtigung sucht man vergebens. Die von Frau Flachsbarth und Herrn Pilsinger genannten Probleme von Frauen in solchen Staaten (unter anderem Diskriminierung, Genitalverstümmelung, Frühverheiratung) sind sicher nicht durch künstliche Verhütung und Abtreibungsförderung zu lösen.

Sexuelle Aufklärung verhindert nicht unbedingt Abtreibungen

Folglich ist die Frage zu stellen, ob die Schwerpunkte der genannten internationalen Organisationen wirklich in die Kategorie Förderung von Frauenrechten und Emanzipation einzuordnen sind oder in die Kategorie Durchsetzung von Ideologien und Gewinne für Pharmakonzerne oder Hersteller von manuellen Vakuumaspiratoren (mit denen man in Bangladesch seit Jahrzehnten Frühstabtreibungen macht, die wie in den Niederlanden als Menstruationsregelung deklariert werden). Die These, sexuelle Aufklärung (von genannten Organisationen als sexuelle Freizügigkeit postuliert) und Zugang zu Verhütungsmitteln seien effektive Methoden, um Abtreibungen zu verhindern, ist faktisch nicht nachweisbar, sehr wohl aber, dass die Lehre der angeblich gefahrlosen sexuellen Freizügigkeit und der geschlechtlichen Unabhängigkeit in Bezug auf den Sexualverkehr deutlich mehr sexuell übertragbare Krankheiten und Ansteckungen zur Folge hat, darunter fast ausgestorbene Krankheiten wie Syphilis. Sexuelle Aufklärung in Form von reiner Freizügigkeit, ohne verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität, dient der Sache und den Menschen vielleicht nicht so, wie erhofft oder behauptet. Die Unfruchtbarkeit in Staaten, die seit Jahrzehnten darauf setzen, ist gleichfalls gestiegen, unter anderem durch nicht erkannte (sexuell übertragbare) Chlamydieninfektionen. Ebenso verzeichnen diese Staaten hohe und steigende Abtreibungszahlen und immer mehr junge Mädchen, die abtreiben und sich mit Hormonen gefährden.

Die Lehre der sexuellen Freizügigkeit und Abtreibung hat sich als der Gesundheit nicht förderlich herausgestellt und Abermillionen von Kleinstkindern und Müttern das Leben gekostet. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität ist sachlich betrachtet gesundheitsfördernd und todesratensenkend. Eine natürliche Empfängnisregelung, verbunden mit der Pflicht der Männer, auf Frauen Rücksicht zu nehmen, wäre möglicherweise eher emanzipationsfördernd, dazu gesünder für die Frauen und unschlagbar preiswert, womit man Entwicklungshilfegelder für sinnvollere Frauen-Projekte zur Verfügung hätte.

Eine Grundsatzdebatte ist notwendig

Wir sind eine überparteiliche, überkonfessionelle Bewegung. Unsere Aufgabe ist es, zu recherchieren, zu analysieren, Alternativen aufzuzeigen, auf Missstände hinzuweisen und Betroffenen zu helfen. Unsere Vereine klären auf, versorgen Politiker und Parteien mit Informationen und Argumenten, leisten Beratungs-, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Es erstaunt zu lesen, dass wir einer Partei in den Rücken fallen, denn dies ist weder beabsichtigt noch der Fall. Natürlich kontaktieren wir die Politik, wenn wir (gerne vorab) etwas erfahren oder lesen. Als Lebensrechtlerin bin ich dazu verpflichtet, konsequent für das Lebensrecht aller Menschen einzutreten, denn im Sinne der Menschenrechte ist genau das gefordert. Jedes Kind, das wir retten, jede Frau, der wir helfen können, ist diese Arbeit wert. Deshalb ist eine Grundsatzdebatte darüber, welche Projekte man fördert, wichtig und sinnvoll.

Und ja, es ist vielleicht eine Überlegung wert, gerade mit Steuergeldern nur Organisationen zu unterstützen, welche wahrhaft humane Werte vertreten und realisieren. Wir wollen, dass alle Mütter und alle Kinder leben, und freuen uns über Menschen, Parteien und Kirchen, die für das Lebensrecht aller Menschen eintreten

Die Autorin ist Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht

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