Euskirchen

Lebensbedrohliche Rettungsaktion mit Rosenkranz in der Hand

Herbert Schilles hat den Abfluss der Steinbachtalsperre freigebaggert und so den Dammbruch verhindert. Der Kleinbauunternehmer berichtet selbst, dass sein Glaube ihm Ruhe in der lebensbedrohlichen Situation verschafft hat.
Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Foto: Jonas Güttler (dpa) | Die Staumauer der Steinbachtalsperre liegt im Nebel. Herbert Schilles hat dort mit einem Bagger den Abfluss freigeschaufelt und so den Bruch der Wand verhindert.

Helden tragen nicht immer Umhänge, sondern manchmal auch Karohemden und neongelbe Schutzjacken. So auch im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen: der Tiefbauunternehmer Herbert Schilles hat mit einem Bagger den Abfluss der Steinbachtalsperre freigeschaufelt und so den Bruch der Wand aus Boden, Kies und Steinen verhindert. Für die 4.500 Bewohner der unterhalb gelegenen Ortschaften Odendorf, Ludendorf, Essig, Miel, Schweinheim, Flamersheim, Palmersheim war die Maßnahme lebensrettend.

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Lob des Ministerpräsidenten

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Innenminister Herbert Reul (CDU) hoben das Engagement des Mannes am Montag beide besonders hervor. „Das ist eine lebensgefährliche Aufgabe“, so Laschet bei einem Treffen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an der Talsperre. Reul betonte, dass sich der Baggerunternehmer damit einreihe in eine große Gruppe Menschen, die im Hilfseinsatz Sensationelles bewegt hätten. Schilles selbst sieht sich nicht als Held: „Es war keine Heldentat. Jeder andere hätte das auch gemacht." 

Herbert Schilles

Den Mut für die lebensbedrohliche Aufgabe hat der 68-Jährige aus seinem Glauben geschöpft: „Der Herrgott hat mich an diese Stelle gestellt und ich habe mich der Sache auch gestellt, habe meinen Rosenkranz gepackt, mich gesegnet und dann bin ich da reingefahren. Also ich habe keine Sekunde Angst gehabt. Ich habe gesagt: ‚Du Herr, musst wissen, was passiert.‘ Und ich war voller Vertrauen, dass die Wand nicht bricht“, berichtet er am Montag gegenüber der ARD und im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Dass die großen Medien so ungeniert über den Glauben des bescheidenen Mannes berichten, zeigt, dass überzeugend gelebter Glaube auch heute noch Menschen bewegt.

Hinweis auf andere Hilfskräfte

Der Bauunternehmer betont aber immer wieder, dass er für die Aktion nicht „auf einen Eimer gehoben werden möchte“, er verweist lieber auf die Hilfe anderer: „Ein ganz wichtiger Mann war der Herr Lorenz, der muss erwähnt werden. Der ist ein ganz feiner Mensch. Der ist runtergegangen in den Stollen und hat geschaut, dass er den Schieber per Hand freibekommt. Der ist sonst elektrisch angetrieben. Das war der Mann der Stunde, der war nassgeschwitzt. Ich hab ihm nur die Chance gegeben, dass das Wasser laufen konnte.“ Trotzdem ist der gläubige Katholik für viele Menschen ein Held: Denn ohne seine Hilfe hätten sie nicht nur Häuser und Wohnort verloren, sondern wahrscheinlich ihr Leben.

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