Berlin

Laschets Brücke fehlt der Bauplan

Armin Laschet repräsentiert einen Teil der CDU-Stammwählerschaft. Aber eben nur einen Teil. Will er die anderen auch erreichen, muss er seine Performance ändern. Ein Kommentar.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet
In der direkten Konfrontation mit der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock könnte Armin Laschet aus seiner Not eine Tugend machen. Foto: Kay Nietfeld (dpa)

Armin Laschet gefällt das Bild des Brückenbauers. So möchte er in der Öffentlichkeit gerne gesehen werden. Aber ist das die Eigenschaft, die die Deutschen sich von einem Kanzler wünschen? Die Umfragen sprechen eine andere Sprache: Die Merkel-Raute hätten wohl viele lieber durch die entschlossene Faust des CSU-Vorsitzenden Markus Söder ersetzt. Das gilt für die Bevölkerung insgesamt, für die Union und ihre Wählerschaft aber noch stärker.

Sendet er ein Signal an Konservative und Wirtschaftsliberale?

In seiner eigenen Partei wird Laschet zuerst beweisen müssen, ob er tatsächlich dieser Brückenbauer ist. Macht er etwas aus dem Vorteil, dass sein alter Konkurrent Friedrich Merz ihn unterstützt hat? Bindet er ihn in seinen Wahlkampf ein und sendet so ein Signal an die Konservativen und Wirtschaftsliberalen? Viele von denen sind in das Söder-Lager übergelaufen. Wie groß hier die Sehnsucht nach einer Führungsfigur ist, zeigte sich daran, dass selbst diejenigen, die zuvor Söders straffes Corona-Regiment durchaus kritisierten, sich nun an die vermeintlich starke Führungsbrust des Franken geworfen haben. Ihnen muss Laschet jetzt etwas bieten.

Es mag den CDU-Vorsitzenden befriedigen, dass die Parteigremien und damit auch die legitime Verfahrensordnung den Sieg davon getragen haben. Aber die Freude über die funktionierende repräsentative Demokratie entspricht doch stark der Innensicht von Funktionären. Im Parteivolk, aber auch bei der Bevölkerung stellt sich vielmehr die Frage: Korrekte Verfahren sind schön und gut, aber was ist, wenn Repräsentierte sich von ihren Repräsentanten nicht mehr vertreten fühlen? Die Antwort auf diese Frage wird sich mit einem Blick in die Partei-Satzung nicht erledigen.

Laschet ist kein Merkel-Klon

Laschet, der in seiner rheinisch-katholischen Herkunft wurzelt, repräsentiert damit auch einen Teil der CDU. Aachen-Burtscheidt ist aber nicht die ganze CDU-Welt. Laschet fühlt sich so sicher in seinem Milieu, dass er von hier aus Brücken in andere Welten schlagen will, dabei aber vergisst, was rechts und links von seinem Heimatstützpunkt aus geschieht. Ihm fehlt das Gefühl dafür, warum CDU-Stammwähler davor Angst haben, dass ihre Lebenswelt zerbricht und wieso denen deswegen nicht der Sinn nach langwierigem Nachdenken steht. Laschet ist aber kein Merkel-Klon, zwischen rheinisch-katholischem Aachen und protestantischem Pfarrhaus gibt es Unterschiede.

Das bewies die unterschiedliche Herangehensweise an das Corona-Problem, bei Laschet aus dem Geist von Subsidiarität und Föderalismus, bei der Kanzlerin mit zentralistischer Attitüde. Aber Laschet dringt nicht durch. In seiner unentschlossenen Kommunikation, die viel Deutungsspielraum zulässt, ähnelt er einem Anderen, der den „Brückenbauer“ schon im Titel stehen hat, dem Pontifex maxismus: Papst Franziskus. Jesuiten haben über Jahrhunderte die Methode entwickelt, in Debatten zunächst einmal das Argument des Gegners stark zu machen, um dieses dann um so besser widerlegen zu können.

Das wirkt vielleicht auf viele lasch. Aber genau in diesem Ansatz liegt nun einmal auch Laschets Talent. Es wäre lächerlich, würde er versuchen, den Söder-Habitus zu imitieren. Und gerade in der direkten Konfrontation mit der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock kann er aus dieser Not eine Tugend machen. Nur: Er muss in der Performance besser werden. Bis jetzt wirkt es oft so, als spreche Laschet bloß das nach, was er als letztes gehört habe.

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