Kuba: Erzbischof fordert Reformen

Mailand (DT/KNA) Die bisherigen Reformen der kubanischen Regierung sind nach Aussage des Erzbischofs von Santiago de Cuba, Dionisio Garcia Ibanez, nicht ausreichend. Es müsse mehr kreativen Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten für den Einzelnen im wirtschaftlichen und sozialen Leben geben, sagte der Erzbischof der italienischen Tageszeitung „Avvenire“ (Donnerstag). Garcia Ibanez vereidigte sein Eintreten für die Menschenrechtsgruppe der „Frauen in Weiß“ und die Vermittlungen der Kirche zur Freilassung politischer Gefangener. Mögliche Kritik an der Kirche wegen eines „Nachgebens“ gegenüber der Regierung dürfe nicht zu einem Alibi für Untätigkeit werden. Der Erzbischof sagte, er sehe die katholische Kirche nicht als Vermittlerin zwischen Regierung und Opposition, sondern als einen Teil der kubanischen Nation, der bereit sei, zum Wohl des Landes beizutragen.

Nach Einschätzung von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone wird die Kubareise die Demokratisierung des Landes fördern. „Ich glaube nicht, dass der Besuch von der Regierung instrumentalisiert wird“, sagte Bertone der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ (Donnerstag). Vielmehr unternehme Havanna nach seiner Einschätzung alle Anstrengungen, um dem Papst „die Wertschätzung und das Vertrauen zu bezeugen, das das Oberhaupt der katholischen Kirche verdient“, so Bertone. Der am Montag beginnende Besuch Benedikts XVI. auf der Karibikinsel werde „ohne Zweifel dem Entwicklungsprozess hin zu einer Demokratie helfen“ und neue Freiräume für die Kirche eröffnen, sagte Bertone weiter. Als „Problem“ in den Beziehungen zwischen Kirche und kubanischem Staat bezeichnete er weiterhin bestehende Einschränkungen für katholische Schulen und andere kirchliche Einrichtungen. Bertone verwies auf die Kuba-Reise von Johannes Paul II. im Jahr 1998. Auch damals habe sich die Lage der Kirche anschließend verbessert und sei der Dialog zwischen Staat und Kirche vertieft worden.

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