Krise zwischen Kirchen und Islam

Studie: Eine Entfremdung zwischen vormaligen Partnern ist nicht zu übersehen
Fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten nehmen zu
Foto: Jan-Philipp Strobel (dpa) | ARCHIV - 27.09.2016, Baden-Württemberg, Schwäbisch Gmünd: Die islamfeindliche Parole «Fuck Islam» steht auf einem Minarett der Ditib-Moschee.

Der Dialog zwischen Kirchen und den etablierten islamischen Verbänden befindet sich in einer Krise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) veröffentlicht hat.

„Die zunehmende Entfremdung zwischen vormaligen Dialogpartnern ist nicht zu übersehen“, heißt es in der Studie des wissenschaftlichen EZW-Referenten Friedmann Eißler. Es seien Zerwürfnisse und Abbrüche auch in persönlichen Beziehungen zu beklagen – von beiden Seiten der christlich-islamischen Dialogpartner. „Die Krise des Dialogs kristallisiert sich insbesondere an der inakzeptablen direkten religionspolitischen Einflussnahme auf die Mehrheit der hier lebenden religiösen Türken“, so Eißler. Er verweist auf die Abhängigkeit des größten islamischen Verbandes in Deutschland, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), vom türkischen Staat. Der alleinige Blick auf DITIB sei jedoch unangemessen, so Eißler. So beziehe die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB), der größte Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ebenso wie DITIB Imame von der türkischen Religionsbehörde, wenngleich in vergleichsweise geringer Zahl. Ähnliches gelte für die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs. Das Islamische Zentrum Hamburg stehe unter direkter Einflussnahme der iranischen Regierung. Laut Eißler haben fast 90 Prozent der rund 2 000 Moscheegemeinden in Deutschland Geistliche aus dem Ausland, insbesondere aus der Türkei, Nordafrika, Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, aus Ägypten und dem Iran. Fast die Hälfte der ausländischen Imame predige in DITIB-Moscheen.

Tendenz zur Abschottung

Bei manchen Verbänden sieht Eißler auch Tendenzen der Abschottung: „Anstatt Integration wird unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit oder anderer demokratischer Freiheitsrechte die Distanz zur Mehrheitsgesellschaft gepflegt.“ Der EZW-Referent plädiert für Differenzierung und Transparenz im Umgang mit dem Islam. In diesem Sinne dürfe es aber „keine Ignoranz und kein Wegschauen“ geben, wenn es um problematische Entwicklungen gehe. Wenn sich die EZW-Studie kritisch mit islamischen Akteuren auseinandersetze, beziehe man damit nicht Position für „eine einseitig kritische oder gar ablehnende Haltung gegenüber Muslimen“.

Wo diese bedrängt oder gar angefeindet würden, „ist unser Platz als Staatsbürger und als Christen an ihrer Seite, um solidarisch und gemeinsam für die freiheitlichen Grundlagen unserer Gesellschaft einzustehen“. (DT/idea)

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