Kosovos Serben für Russland

Prishtina/Belgrad (DT/dpa) Die Serben im Norden des Kosovo setzen weiter auf die Blockade aller Kompromisse mit der albanisch geführten Regierung. Sie lehnen die bisherigen Abkommen Belgrads mit Prishtina ab. Das beschlossen Abgeordnete der vier serbischen Gemeinden am Sonntag in Mitrovica. Am Vortag war bekannt geworden, dass schon mehr als 50 000 Kosovo-Serben die russische Staatsbürgerschaft beantragt haben. Die Kompromisse bei den Verhandlungen zwischen den Regierungen Serbiens und des Kosovo unter Schirmherrschaft der EU würden vor Ort nicht umgesetzt, kündigten Ratsmitglieder an. Die Abgeordneten bestimmten ein Juristenteam, das gegen den serbischen Chefunterhändler bei den Verhandlungen in Brüssel, Borislav Stefanovic, vorgehen soll. Er habe bei den Verhandlungen mit Prishtina Serbiens Verfassung verletzt, hieß es als Begründung. Die Serben mit dem Wunsch nach einem russischen Pass wollen eine Konföderation mit Russland zu bilden. Das hat der Organisator der Aktion, Radomir Curdjevic, mitgeteilt. Vor knapp zwei Wochen hatte die russische Botschaft in Belgrad die ersten 21 000 Anträge nach Moskau weitergeleitet. Curdjevic sagte: „Wir verheimlichen nicht unser letztes Ziel, eine Konföderation oder eine Art Föderation mit Russland zu bilden.“ Zur serbischen Regierung in Belgrad sei das Band zerschnitten, sagte Curdjevic. „Wir werden keinerlei Abmachungen Belgrads anerkennen.“ Serbien bemüht sich um einen Ausgleich mit dem Kosovo, um die angestrebte Annäherung an die Europäische Union nicht zu gefährden. Führende russische Politiker hatten sich in den vergangenen Tagen dafür ausgesprochen, die Passanträge wohlwollend zu prüfen. Dagegen kritisierte die serbische Regierung den Schritt ihrer Landsleute im Kosovo als „unpatriotisch“ und „lächerlich“. Russische Medien wiesen auf ein Problem hin: Sollte Moskau den Serben wirklich Pässe ausgeben, müsste Russland die neuen Landsleute dort gegebenenfalls auch gegen die Nato-geführte Schutztruppe KFOR schützen.

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