„Korruption?“ – „Null problemo!“

Warum wir über den Stand des Berufspolitikers vielleicht noch einmal nachdenken sollten

Von Stefan Rehder

Wir waren noch ziemlich grün hinter unseren abstehenden Journalisten-Ohren, als wir zum ersten Mal erfuhren, dass Politik und Korruption nicht jene zwei Welten waren, für die wir sie bis dahin hielten. Damals – kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – nahmen wir in Riga an einer internationalen Medienkonferenz teil. Dabei trafen wir auch zu einem Gespräch mit dem damaligen Minister für „besondere Angelegenheiten“ zusammen. Seinen Namen haben wir leider vergessen. Aber so wichtig war er ohnehin nicht. Denn der dortigen Mafia, die aus Ex-Soldaten bestand, die zwar ihre Uniformen ausziehen mussten, ihre Waffen aber behalten durften, weil Väterchen Russland für sie daheim keine Kaserne baute, war es gleich, wer unter ihr Minister war. Behalten haben wir, was der Minister uns damals antwortete: „Korruption? – Das ist bei uns kein Problem.“

„Null problemo“ – das scheint auch Silvio Berlusconi zu denken, der den Eindruck vermittelt, als sei es ihm völlig egal, wer unter ihm den Paten gibt. In Deutschland ist das natürlich anders. Hier ist Korruption ein Problem. Und deshalb ist es auch unvorstellbar, dass etwa Bundeskanzlerin Merkel es fertig brächte, einem ausländischen Geschäftsmann, der erklärte, falls er den Zuschlag – sagen wir – für die Übernahme von Opel erhalte, werde er sich auch erkenntlich zeigen, durch ihren Dolmetscher bestellen lässt: „Was heißt hier erkenntlich. Ich kriege zehn Prozent.“ So etwas kommt im wirklichen Leben nur in Afrika oder Asien, in Lateinamerika, Osteuropa oder Italien vor. Was aber die Frage aufwirft, was eigentlich einer, für den Korruption ein Fremdwort ist, überhaupt in der Politik zu suchen hat? Mehr als jeder andere, sollte man meinen. Dummerweise lehrt aber die Geschichte, dass das „bonum commmune“ meist stirbt, sobald man sich anschickt, von ihm auch leben zu wollen.

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