Kommentar: Und sie bewegt sich doch nicht

In Deutschland spricht man Deutsch, in England Englisch, in Frankreich französisch – um einmal drei Länder zu nennen, in denen der christliche Grundwasserspiegel tief abgesunken ist. Für Länder wie diese nun hat der Papst einen neuen vatikanischen Rat errichtet: den für die Neuevangelisierung. Und siehe da: Am 29. Juni bereits von Benedikt XVI. angekündigt, kam dann vorgestern auch das entsprechende Motu proprio heraus, mit dem die Neugründung ihren Auftrag und ihre Struktur erhielt – allerdings nur auf Latein und Italienisch.

Da alles, was mit Medien zu tun hat, im Vatikan ein völliges Chaos ist, machte sich Radio Vatikan über den Vatikan selber mit folgender Meldung lustig: Da habe bei der Vorstellung des Motu proprio ein englischer Journalist geklagt, „dass dieses international bedeutsame und für die ganze Kirche geltende Dokument für die Journalisten nur auf Italienisch und Latein zugänglich sei. ,Ein Dokument über die Neuevangelisierung, das schon lange angekündigt war, erscheint nur auf Italienisch. Aber die Welt versteht kein Italienisch?, so der Journalist. Wenn gewünscht würde, dass die Welt den Papst versteht, dann müssten offizielle Übersetzungen erstellt werden. Der Leiter des neuen Rates, Erzbischof Rino Fisichella, und Vatikansprecher Federico Lombardi versicherten den Journalisten, dass diese Übersetzung schnellstmöglich nachgeholt würde“. Soweit Radio Vatikan.

Schnellstmöglich also heuern nun Fisichella und Lombardi ein paar Übersetzer an. Und schnellstmöglich möchte man sich abwenden vor so einem kläglichen Nachweis mangelnder Professionalität. Vor dem geistigen Auge erscheint der typische Vatikanprälat, der auf seinen Ledersohlen über kostbare Teppiche gleitet, auf die Porträts vergangener Päpste schaut und sich nicht mehr für fünf Cent vorstellen kann, dass es jenseits seiner abgehobenen Welt noch solche gibt, die das Latein und Italienisch nicht verstehen. Man hatte gedacht, in der Pressepolitik des Vatikans habe sich etwas bewegt. Nichts hat sich bewegt, aber auch gar nichts.

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