Kommentar: Unbrüderliche Zurechtweisung

Es ist gut, wenn Bischöfe endlich über das Versagen von Bischöfen reden. Von Kilian Martin

Es ist gut, dass in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals endlich auch Oberhirten zur Rechenschaft gezogen wurden. Oft waren es die Bischöfe, die ein System von Macht- und Menschenmissbrauch erst möglich gemacht haben. Nicht als Tätige, aber allzu oft als diejenigen, die den Schmutz im eigenen Haus geflissentlich unter den Teppich gekehrt haben.

Es ist gut, wenn Bischöfe endlich über das Versagen von Bischöfen reden. Problematisch wird dieses Reden allerdings dann, wenn nicht eigene Schuld bekannt, sondern die Fehler anderer angeprangert werden. Das gilt besonders für das aktuelle Vorgehen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger. Dabei geht es weniger um die Vorwürfe, die er gegen seinen Vorgänger Robert Zollitsch erhebt. Vieles spricht dafür, dass dieser wissentlich und willentlich einen Missbrauchstäter geschützt hat. Doch Burgers Vorgehen bei der Aufklärung dieser Vertuschung ist mehr als fragwürdig.

Denn es ist nicht gut, wenn die Aufarbeitung von Verbrechen zum Anprangern der Schuldigen verkommt. Burger ging sogar noch weiter, indem er seinen Vorgänger zum Reden aufforderte und sich und sein Erzbistum von ihm distanzierte – coram publico in einem Interview.

Ja, es wäre gut, wenn der emeritierte Erzbischof Robert Zollitsch das Gespräch mit den Betroffenen suchen und seine eigene Rolle klären würde. Dazu gehört dann wohl auch das Eingeständnis eigener Fehler. Doch auch der amtierende Erzbischof Burger muss sich seiner Rolle bewusst werden. Diese besteht nicht darin, mit der Glocke vor dem Geächteten herzugehen. Als oberster Richter seiner Erzdiözese muss er für eine gerechte Aufklärung sorgen. Das gelingt nicht durch Interviews, ohne mit dem Beschuldigten zu sprechen. Jesus selbst weist uns den richtigen Weg: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!“ (Mt 18,15)

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24.09.2021, 10  Uhr
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