Wien/Paris

Kommentar um "5vor12": Im Krieg gegen den Terror

Eine gewaltbereite Ideologie hat den Rechtsstaaten Europas den Krieg erklärt. Der treffsichere Kampf gegen Terror und Terrorfinanzierung kann in Europa nur gemeinsam gelingen.

Beratungen über Islamisten-Terror
Emmanuel Macron (l), Präsident von Frankreich, empfängt Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, vor einem Treffen zum Kampf gegen islamistischen Terror im Elysee-Palast. Macron hat den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz empfangen, um über Europas Kampf gegen den ... Foto: Michel Euler (AP)

Ein globales Problem nationalstaatlich lösen zu wollen, ist so sinnvoll, wie mit Buschmessern gegen Panzer anzutreten. Der gewaltbereite Islamismus ist international vernetzt, speist sich aus dem Internet und agiert grenzüberschreitend. Auch der albanischstämmige 20-jährige mazedonisch-österreichische Doppelstaatsbürger, der in der Vorwoche das Zentrum Wiens terrorisierte, stützte sich auf ein grenzüberschreitendes Netzwerk und wollte bei den transnational agierenden IS-Terroristen anheuern. Kanzler Kurz eilte nun folgerichtig am Dienstag nach Paris, um mit Präsident Macron, Kanzlerin Merkel, dem niederländischen Regierungschef Rutte und den EU-Spitzen Europas Abwehrkampf gegen den Terrorismus zu beraten.

Europa muss gemeinsam gegen Terror vorgehen

Nur gemeinsam können die Europäer verteidigen, was die Terroristen ins Fadenkreuz genommen haben: den europäischen Lebensstil, der geprägt ist von einem hohen Maß persönlicher Freiheit, gesellschaftlicher Vielfalt und verlässlicher Rechtsstaatlichkeit. Die Sicherung der EU-Außengrenzen, die Überwachung der salafistischen Szene samt ihrer Internetpräsenz sowie der treffsichere Kampf gegen Terror und Terrorfinanzierung kann in Europa nur gemeinsam gelingen.

Das alles wird aber nur erfolgreich sein, wenn der europäischen Politik heute glückt, was dem österreichischen Kaiser Franz Joseph 1912 mit den bosnischen Muslimen gelang: Wie damals „des Kaisers Bosniaken“ wird es heute nur dann einen europäischen Islam geben, wenn die Loyalität der Mehrheit der Muslime zur Gesellschaft und Rechtsordnung, in der sie in Europa leben, größer ist als ihre Treue zu jener Umma, der sich auch Gewalttäter und Terroristen zugehörig fühlen. Eine gewaltbereite Ideologie hat den Rechtsstaaten Europas den Krieg erklärt. Die offiziellen Vertreter des Islam in Europa dürfen jetzt keinen Zweifel daran aufkommen lassen, auf welcher Seite sie stehen.

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