Berlin/Hamburg/Köln

Kommentar um "5 vor 12": Mit Vodoo-Zauber gegen Rechts

Markieren die Anti-Rassismus-Demonstrationen vom Wochenende das Ende der Corona-Maßnahmen?

Demonstration gegen Rassismus in Berlin
Berlin: Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt. Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

Der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd ist furchterregend, doch die genauen Tatumstände bleiben trotz seines minutenlangen Sterbens vor den Videoaugen der Weltöffentlichkeit  voller Rätsel. Warum beispielsweise beließ der Polizist Derek Chauvin sein Knie auf dem Genick des Opfers, obwohl ihm bewusst sein musste, dass ihn Passanten filmten und ihm eine Mordanklage drohen kann? 

Um die Person George Floyd geht es schon längst nicht mehr

Aber nach Fragen oder gar Innehalten steht den Wenigsten der Sinn seit der Schreckenstat am 25. Mai. In den USA werden die täglichen Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus von bizarren Plünderungen flankiert. Die Bewegung „Black lives matter“ skandiert Floyds letzte Worte „I can’t breathe“, die Menschen knien in seinem Gedenken minutenlang. Niemand scheint es als pietätlos zu empfinden, dass ausgerechnet jene Geste, die den 46-Jährigen so brutal tötete, nun die Trauer der Menschen ausdrücken soll.

Vielleicht, weil es um die Person George Floyd schon längst nicht mehr geht. Der Mann wird zum Märtyrer stilisiert. Mittlerweile hat die zivilreligiöse Welle auch uns erreicht. So drängten sich am vergangenen Samstag Zehntausende auf den Straßen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München. Hygieneregeln, auf deren Einhaltung seit Wochen bei den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gepocht wurde, schienen ihre Gültigkeit verloren zu haben, wenn es darum ging, den US-Präsidenten Trump zu verwünschen und Deutschland im selben Atemzug eines Rassismus-Problems zu bezichtigen. 

Wir sind eine Gesellschaft mit masochistischen Reflexen

Nun gibt es hierzulande zweifellos Rassisten. Es gibt aber auch Einbrecher. Trotzdem sind wir kein Land mit Einbrecher-Problem, sondern eine Gesellschaft mit masochistischen Reflexen. Ausgerechnet ein linksliberales Milieu, das sonst wissenschaftsfromm Corona-Maßnahmen verteidigt, will das Böse tilgen, indem es mit beschwörendem Voodoo-Zauber gegen alles vorgeht, was irgendwie als Rechts gilt. Aber Wortmagie, wonach korrekte Sprache die gute Tat gebiert, ist laut Johannes-Evangelium dem Allmächtigen vorbehalten, der den Logos schuf. Wir Menschen sind damit heillos überfordert.

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